Mayday dreht auf: Die Bässe machen die Melodie

Der Maifeiertag, offiziell Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde. Liebhaber der schnellen elektronischen Musik konnten mit dieser Definition gestern und heute nichts anfangen.

Für sie ist die Nacht zum 1. Mai schlicht die Mayday – die Techno-Party in der Westfalenhalle.

Von 18 Uhr bis 9 Uhr morgens zaubern die besten DJs der Szene die schrillsten, härtesten und krachendsten Töne aus ihren Plattentellern. Paul van Dyk, Sven Väth, Armin van Buuren und Westbam sind Weltstars. Genau deswegen ist Melanie aus Karlsruhe gekommen - zum sechsten Mal nach Dortmund. „Das ist einfach Kult”, sagt sie und wippt bereits um 17 Uhr in ihrem schwarzen Mini-Rock, hochhackigen Lederstiefeln und Nylons zu den Beats, die Sven Väth durch die Stereoanlage des tiefergelegten Passats aus Polen auf dem Parkplatz der Westfalenhalle jagt. Hier im Kreuzfeuer, das aus den Bass-Boxen der geöffneten Kofferraumklappen trommelt, zwischen knüppelhartem Hardcore-Techno und vergleichsweise melodisch mystischen Tranceklängen kommt langsam ein Vorgeschmack auf das auf, was die Techno-Fans in den Hallen erwartet. „Das ist die größte Musikveranstaltung, die je bei uns stattgefunden hat”, sagt Andreas Weber, Sprecher der Westfalenhallen. In fünf Hallen breitet sich die Mayday aus. 25 000 Karten waren im Verkauf, noch am Abend waren die Tickets für 55 Euro zu haben. Melanie freut sich besonders auf die neue Hardcore-Halle. Auf 12 500 Quadratmetern machen hier die Bässe die Melodie – sonst nichts. Für Melanie genau richtig, auch auf ihren Zehn-Zentimeter-Absätzen, in denen andere Menschen keine fünf Minuten unfallfrei laufen könnten: „Ich tanze durch.” Als Mayday-Profi weiß sie natürlich, wie man sich am besten vorbereitet: „Vorher genug essen und trinken - vier Liter Wasser - und später Magnesium und Vitamintabletten.” Andere Pillen schluckt sie nicht.

Es geht auchohne Drogen

Drogen und Techno sind immer ein Thema. Für Andreas Held aus Sachsen-Anhalt nicht. „Das sind meine Drogen”, sagt er und zieht eine Packung Koffein-Tabletten aus der Jeanstasche. Seit 1991 feiert er auf der Loveparade, die Mayday hat er bisher nicht besucht. „Deshalb wollte ich unbedingt mal hin.” Wie Sergej und Milan. Sie haben sich ins Auto gesetzt und es in zehn Stunden aus Slowenien auf den Parkplatz geschafft. Gleich neben den Golf aus Ungarn und den Ford aus Holland. „Die Party ist sehr bekannt. Jetzt wollen wir zum ersten Mal mitfeiern”, sagen sie. Nach ein paar Stunden Schlaf im Auto geht's für sie zurück, die Arbeit ruft: aber erst am 2. Mai.

 
 

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