Bundestag: Marco Bülow jetzt in der PARTEI – Enttäuschung bei Ex-Genossen: „Da werden sich seine Dortmunder Wähler aber freuen“

Martin Sonneborn (rechts), Europaabgeordneter und Vorsitzender von "Die Partei" überreicht dem Bundestagsabgeordneten Marco Bülow vor dem Reichstagsgebäude symbolisch den Mitgliedsausweis für den Eintritt in die "Die Partei".
Martin Sonneborn (rechts), Europaabgeordneter und Vorsitzender von "Die Partei" überreicht dem Bundestagsabgeordneten Marco Bülow vor dem Reichstagsgebäude symbolisch den Mitgliedsausweis für den Eintritt in die "Die Partei".
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Coup im Bundestag für „Die PARTEI“.

Der linksgerichtete Dortmunder Politiker Marco Bülow ist seit Dienstag der erste Abgeordnete der Satirepartei „Die PARTEI“ im Bundestag. In einer PR-Aktion mit Parteichef Martin Sonneborn trat er am Dienstagmittag vor dem Reichstagsgebäude in die Partei ein.

Ex-Genossen des früheren SPD-Politikers können nur den Kopf schütteln. Anhänger von „Die PARTEI“ feiern den Eintritt dagegen als Triumph.

Bundestag: „Die Partei“ stellt mit Marco Bülow den ersten Abgeordneten

Mit Martin Sonneborn und Nico Semsrott ist „Die Partei“ bereits im Europaparlament vertreten, in den Bundestag schaffte sie es bislang nicht. Das bleibt zwar im Prinzip auch weiterhin so, denn Bülow stellt keine eigene Fraktion, aber immerhin ist nun ein „Die PARTEI“-Mitglied Teil des höchsten deutschen Parlaments.

Seit 2002 vertritt Marco Bülow als direkt gewählter Abgeordneter einen der beiden Wahlkreise in Dortmund. Vor zwei Jahren dann trat er aus der SPD aus und setzte seine Arbeit als fraktionsloser Abgeordneter fort. Nun, weniger als ein Jahr vor der Bundestagswahl 2021, setzt er auf ein neues Pferd.

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Ob ihm das Ticket PARTEI wirklich bessere Aussichten auf eine Wiederwahl beherrscht, steht jedoch noch in den Sternen. Bei der Kommunalwahl 2020 in Dortmund holte die Satirepartei immerhin 2,78 Prozent der Stimmen in Dortmund. Jedoch ist Bülow sehr bekannt in der Stadt, so dass sicherlich im kommenden Jahr mit weitaus mehr zu rechnen sein dürfte. Möglicherweise könnte er seiner ehemaligen Partei SPD wichtige Stimmen in ihrer Hochburg Dortmund abnehmen. Somit könnte es, anders als in den Vorjahren, tatsächlich ein enges und knappes Rennen um die Direktkandidatur werden. Zuletzt setzte sich Bülow mit 30 Prozent durch, 8,1 Prozentpunkte weniger als 2013.

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Mehr über Marco Bülow:

  • Der 49-Jährige ist seit 2002 Bundestagsabgeordneter.
  • Er vertritt den Bundestagswahlkreis Dortmund I als direkt gewählter Abgeordneter.
  • 2018 trat Bülow aus der SPD aus. Er gehörte bis dahin dem linken Parteiflügels an und war Kritiker der Großen Koalition.
  • Sein Buch „Wir Abnicker. Über Macht und Ohmacht der Volksvertreter“ sorgte 2010 für Aufsehen. Er kritisierte darin Lobbyismus und übersteigerte Fraktionsdisziplin in Berlin.
  • Bülow trat nun der Satirepartei „Die PARTEI“ ein und ist damit deren erster Bundestagsabgeordnete..

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Der 49-Jährige begründet seinen Wechsel damit, dass er den Menschen eine politische Alternative anbieten wolle, „um sie nicht ins Nirwana gehen zu lassen“ und damit sie „nicht rechts wählen“. Viele hätten sich von der Politik und den traditionellen Parteien abgewendet. Bülow werde die Wähler auch weiterhin ernsthaft ansprechen.

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Bundestag: Marco Bülow aus Dortmund wechselt zur PARTEI – Kopfschütteln unter vielen Linken

Während PARTEI-Anhänger jubeln, herrscht Kopfschütteln bei vielen ehemaligen SPD-Genossen und Unterstützern aus dem linken Spektrum. Andere fragen, wieso er sich nicht den Linken, Grünen oder der ÖDP angeschlossen habe.

Gewerkschafter Alexander Bercht (IG BCE) urteilt auf Twitter: „Auch wenn man den Weg nicht nachvollziehen kann, auf den er sich vor ein paar Jahren begeben hat, so wäre ihm doch zu wünschen gewesen, dass er seine politisches Laufbahn in Würde beendet.“

Weitere kritische Kommentare über Marco Bülows Parteiwechsel auf Twitter und Facebook:

  • „Wer in Zeiten von Demokratieverachtung so einen Weg einschlägt und das sage ich bewusst als Ossi, was ich sonst nie mache, hat als Wessi, für den Demokratie immer normal war, nicht begriffen, wie gefährdet sie inzwischen ist.“
  • „Ich habe Dich unter SPD-Genoss*innen bisher immer in Schutz genommen. Aber Du machst es selbst deinen Alliierten schwer, Dich zu verstehen, Marco. Ein Wechsel zur Linken oder den Grünen hätte ich verstanden. Aber zu einer Satire-Partei? Demokratie und Gerechtigkeit sind kein Jucks.“
  • „Das ist eine Wendung, die ich nicht nachvollziehen kann. Da hätte es andere Alternativen gegeben. Vor allem, wenn es gegen Lobbyismus, Solidarität unter den Menschen und Natur geht. Da hat, beispielsweise, die ÖDP ein sehr seriöses Angebot. Schade.“
  • „Da werden sich seine Dortmunder Wähler aber freuen, was er da mit ihrem Votum macht, auch wenn es nur noch die Restlaufzeit betrifft. Nee, was werden die bei der Nachricht gelacht haben...“
  • „Der Bundestag braucht Abgeordnete, die unser Land verbessern. Er braucht keine Abgeordneten, die recht haben oder sich darstellen wollen. Dafür gibt’s andere Bühnen. Er braucht keine Abgeordneten, die recht haben oder sich darstellen wollen. Dafür gibt’s andere Bühnen. Marco Bülow hätte unser Land mit der SPD gerechter machen können. Stattdessen wurde er selbstgerecht.“
 
 

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