Mann pinkelt ans Dortmunder Ordnungsamt — keine Strafe

Maximiliane Rüggeberg
Mitarbeiter des Service und Präsenzdienstes auf Streife.
Mitarbeiter des Service und Präsenzdienstes auf Streife.
Foto: Dan Laryea
Ein Mann uriniert an das Ordnungsamt in der Dortmunder Nordstadt, wird dabei von drei Mitarbeitern der Behörde gesehen und kommt dennoch ohne Verwarngeld davon. Wie kann das sein? Das fragt sich auch Helmut Ullrich, der den Vorfall auf dem Weg zur Arbeit beobachtet hat.

Dortmund. Warum kommt ein Mann, der vor den Augen dreier Mitarbeiter des Ordnungsamtes an die Fassade eben dieser Behörde uriniert?

Der Fall

Es ist Donnerstagmorgen, 9.20 Uhr. Der Dortmunder Helmut Ullrich (55) läuft wie jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an der Niederlassung des Service- und Präsenzdienstes in der Bornstraße vorbei. Als er um die Ecke biegt, traut er seinen Augen nicht: "Da stand einer und pinkelte gegen die Wand!", sagt er aufgebracht.

Nur zwei Meter entfernt stehen drei Service- und Präsenzkräfte des Ordnungsamtes vor der Tür und unterhalten sich. Sie sehen den betrunkenen Mann, der gegen die Wand uriniert, zunächst nicht. Deshalb spricht Ullrich die Männer an. "Schauen Sie mal, was der da macht!"

Die Konsequenz

Einer der drei Männer tritt an den Wildpinkler heran. "Das machen Sie aber kein zweites Mal!", sagt er. Der Mann erschrickt, schließt hektisch den Reißverschluss seiner Hose und eilt davon. Strafe? Fehlanzeige.

Ullrich kann es kaum glauben. Ob das alles wäre, fragt er. Man müsse doch ein Ordnungsgeld verhängen. "Dazu sind wir nicht berechtigt", lautet die Antwort der Präsenzkräfte. "Dann holen Sie doch jemanden aus dem Ordnungsamt, der das darf!", fordert Ullrich. "Die sind in einer Besprechung, da wollen wir nicht stören."

Das sagt der Bürger

Ullrich ist fassungslos. Wie kann es sein, dass jemand ungeschoren davon kommt, der so dreist ist?, fragt er. "Das Ordnungsamt ist überflüssig, wenn man sogar vor seine Haustür pinkeln kann."

Das sagt das Ordnungsamt

Bei der Stadt sieht man die Sache anders. Die Mitarbeiter hätten "gut und korrekt gehandelt", sagt Pressesprecher Hans-Joachim Skupsch. Schließlich hätten sie den Mann auf sein Fehlverhalten angesprochen. Mehr darf der Service-und-Präsenzdienst auch nicht.

Hoheitliche Rechte haben die Mitarbeiter nicht, sagt Jürgen Walther, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. Sie dürfen also kein Verwarngeld erheben, keine Anzeigen erstatten oder den Ausweis eines Bürgers einfordern.