Malteser: "Wir wuppen das Ding auch zu dritt"

Foto: WR

Dortmund. Nach dem überraschenden Ausstieg des Deutschen Roten Kreuzes bei den Verhandlungen mit den Organisatoren der Loveparade reagiert die Lopavent GmbH scheinbar mit Gelassenheit. Der Rettungsdienst lasse sich auch ohne das DRK stemmen, heißt es.

Loveparade-Sprecher Björn Köllen bedauert zwar, dass das Rote Kreuz der Loveparade aus finaziellen Gründen - wie berichtet - eine Absage erteilt hat, ist sich aber gleichwohl sicher: „Mit Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund und den Johannitern können wir locker die Sicherheitsstandards erfüllen. Man werde beim Leistungsspektrum keine Abstriche machen müssen und die Auflagen der Feuerwehr erfüllen, so Köllen. In Berlin habe man 2006 sogar nur mit den Maltesern und Johannitern zusammengearbeitet - das habe auch funktioniert.

Keine Frage: Es geht ums Geld. Genauer: Um zu wenig davon. Als die Verhandlungen noch liefen, hatte Fred Weingardt, Leiter Abteilung Aktive Dienste beim Roten Kreuz in Dortmund, gegenüber der WR angedeutet, dass das Rote Kreuz vor dem Hintergrund dessen, dass es durch Spenden finanziert wird, eben nicht auf Spenden zurückgreifen dürfe, wenn es eine rein kommerzielle Veranstaltung zu begleiten gilt. Damals war von einem sechsstelligen Betrag die Rede, der allerdings unter einer halben Million Euro liegen sollte.

Loveparade ist nicht gefährdet

„Die Kosten für die Rettungsdienste sind schon in Essen gestiegen”, in Dortmund lägen sie noch mal höher, so Köllen. Zuletzt, als das DRK noch am Ball war, war die Rede von rund 1200 Einsatzkräften im Sanitätsdienst. Zudem waren je 45 Rettungs- und 45 Krankenwagen für den Einsatz geplant. Die Behandlung vor Ort sollte in 19 Sanitätszelten erfolgen, zudem war die Rede von einem zusätzlichen Betreuungsplatz für 500 Personen. An diesem Leistungsspektrum soll sich auch ohne DRK nichts ändern, versichert Kai Vogelmann von den Maltesern und Sprecher der verbliebenen Rettungsdienste.

„Wir betreuen die Loveparade seit 15 Jahren. Wir werden das Ding auch zu dritt wuppen”, sagt er. Die Loveparade sei nicht gefärhdet - die 300 zusätzlichen Kräfte werde man finden. Man respektiere die Entscheidung des Roten Kreuzes. Dort habe man offensichtlich eine andere Berechnungsgrundlage „und die Schmerzgrenze war überschritten”, weiß Vogelmann. Er hat die Ruhe weg, obwohl ein Ende der Vertragsverhandlungen noch nicht in Sicht seien. In Essen habe man auch erst wenige Tage vor der Parade unterschrieben. Und außerdem: „Zu uns gibt es keine Alternative.” Private Rettungsdienste seien für die Lopavent unbezahlbar.

Bilanz Essen: 557 Raver im Krankenhaus

Die Rettungsdienste und Krankenhäuser sind gut beraten, sich auf einen heißen 19. Juli vorzubereiten. Die medizinischen Einsätze in Essen 2007 sprechen für sich: Von den rund 1,2 Millionen Besuchern der Loveparade 2007 mussten 4150 in den Sanitätsstationen auf dem Veranstaltungsgelände versorgt werden. 508 Patienten brauchten vorübergehend einen Behandlungsplatz, um etwa vor Ort liegend behandelt zu werden. 557 Raver mussten in eines der Essener Krankenhäuser transportiert werden. Bei 40 Prozent dieser Patienten musste chirurgisch interveniert werden, bei 60 Prozent internistisch. Zwei Patienten mussten in die Psychiatrie eingewiesen werden. Hauptursachen für die Notfälle waren: Erschöpfung, Dehydrierung (zu hoher Flüssigkeitsverlust), Alkohol- und Drogenkonsum. Zudem chirurgische Notfälle Glasscherben, Stürze, etwa von Mauern und Laternen.

 
 

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