Dortmunder sollen nach Luxussanierung dreifache Miete zahlen

Bertha Günther lebt seit 54 Jahren in ihrer 60 Quadratmeter großen Wohnung an der Godefriedstraße 37. Sie soll künftig im Monat fast 500 Euro mehr bezahlen.
Bertha Günther lebt seit 54 Jahren in ihrer 60 Quadratmeter großen Wohnung an der Godefriedstraße 37. Sie soll künftig im Monat fast 500 Euro mehr bezahlen.
Foto: Stephan Schütze
Was wir bereits wissen
Sechs Häuser sollen im Dortmunder Süden luxussaniert werden - zum Ärger der Mieter. Denn die sollen danach erheblich tief in die Tasche greifen.

Dortmund.. Ein erneuter Fall von Luxussanierung in Dortmund mit der bewusst in Kauf genommenen Verdrängung alter, langjähriger Mieter, beschäftigt den Mieterbund Dortmund. Dieser rät seinen betroffenen Mitgliedern, unbedingt Widerspruch gegen die Absichten des Vermieters einzulegen wegen besonderer Härte.

In der früheren Allianz-Siedlung an der Godefriedstraße im bevorzugten Wohnort Wellinghofen soll kein Stein auf dem anderen bleiben. Der Inhaber der Häuser 35, 37, 39, 41, 43 und 45, Clemens Berke, plant die völlige Entkernung der Wohnungen, insgesamt 48. Nach der "Optimierung der Wohnzuschnitte", wie es im Anschreiben der Rechtsanwälte Dr. Burkhard Röhrkasten und Dr. Rainer Hildebrand heißt, steigt der Mietpreis auf fast das Dreifache. Für viele der Mieter, die teils seit Jahrzehnten in den Häusern leben, werden die Wohnungen unbezahlbar.

Wohnrecht auf Lebenszeit

Bertha Günther gehört dazu. Schon für die aktuelle Miete muss die Rentnerin, die im Dezember 92 Jahre alt wird, eine Erhöhung von knapp 30 Euro im Monat aufbringen. Sie hat ein Wohnrecht auf Lebenszeit. Wie es für sie weitergeht, ist noch völlig unklar. Bertha Günther war mit ihrem Mann 1962 Erstbezieherin der Wohnung im Haus Nummer 37. Ihre beiden Söhne Norbert und Wolfgang wuchsen im 60 Quadratmeter kleinen Reich auf. Jetzt droht der alleinstehenden Seniorin doch noch ein Umzug. Mit 92 Jahren.

Ohne Auszug der Mieter kann Berke die Wohnungen gar nicht sanieren. Kein Dachgeschoss soll bleiben wie es ist, die neuen Fenster werden bodentief eingebaut, es werden Wände versetzt, der Innenputz wird erneuert und auch der Estrichboden. Eine 55 Quadratmeter große Wohnung kostet nach der Sanierung nicht mehr 253 Euro im Monat, sondern 728,20 Euro. Kalt. Statt 4,60 Euro pro Quadratmeter sind es dann 13,24 Euro.

"Wenn die künftige Miete 40 Prozent seines Gesamteinkommens ausmacht, kann der Mieter widersprechen", sagt Rechtsanwältin Susanne Neuendorf. Die Geschäftsführerin des Mieterbunds Dortmund, die nächste Woche viele Vor-Ort-Termine hat, nennt das Schreiben der Rechtsanwälte Röhrkasten und Hildebrand "unzumutbar kurz" und "treuwidrig".

Brief kam am 11. November

Der Brief an jeden Mieter datiert vom 11. November 2016, in den Briefkästen der 48 Mieter landete er aber erst am 23. November. Ihnen wird eine Wochenfrist eingeräumt. Die Mieter sollen die Erklärung mit ihrem Einverständnis bis zum 30. November unterschrieben zurückschicken. "Darin sollen die Mieter eine abschließende Entscheidung treffen, ob sie die neue Miete nach Abschluss der Maßnahmen zahlen oder Ende Januar oder Ende März 2017 ausziehen", so Neuendorf.

Für diese Redaktion war der Vermieter, Clemens Berke, am Freitag nicht erreichbar. Er ließ durch seine Sekretärin auf Rechtsanwalt Dr. Rainer Hildebrand verweisen. Dieser sprach davon, Einzelgespräche mit den Mietern führen zu wollen. Gegebenenfalls gebe es Ausgleiche, der Vermieter könne Ersatzwohnungen zur Verfügung stellen, und in Härtefällen könne die Kaltmiete auf 9,50 Euro pro Quadratmeter begrenzt werden.

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