Lust auf Zigarette wurde Frau zum Verhängnis

Foto: ddp
Ihr nächtlicher Drang nach einer Zigarette wurde einer 61-Jährigen zum Verhängnis: Um sich eine Packung Glimmstengel zu kaufen, fuhr sie mit 1,5 Promille zu einer Tankstelle an der Derner Straße. Die Quittung des Gerichtes: Wegen Trunkenheit im Verkehr muss sie nun 300 Euro Strafe zahlen.

Dortmund..  Drei Dinge wurden der 61-Jährigen in der Nacht zum 20. März 2012 zum Verhängnis: Erstens gingen ihr um 1.30 Uhr die Zigaretten aus, zweitens fuhr sie ohne Licht zur Tankstelle, um sich Zigaretten zu holen. Und drittens: Die Tankstelle an der Derner Straße wurde von Zivilbeamten überwacht, die dort schon häufiger betrunkene Autofahrer aus dem Verkehr gezogen hatten.

Sie hielten die Frau an, machten sie auf das fehlende Licht aufmerksam und nahmen erheblichen Alkoholgeruch wahr. Und so hatte die Fahrt gestern ein Nachspiel im Amtsgericht.

Strafbefehl ging von 900 Euro Geldstrafe aus

Noch an Ort und Stelle musste die Frau damals ihren Führerschein abgeben, kurz darauf hatte sie einen Strafbefehl im Briefkasten: Demnach sollte sie wegen Trunkenheit im Verkehr 900 Euro Strafe zahlen und für neun Monate ihren Führerschein abgeben. Dass sie betrunken am Steuer gesessen hatte, wollte sie gar nicht abstreiten.

Kleine Erwerbsunfähigkeitsrente

Doch bei einer Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von knapp 800 Euro hielt sie die verhängte Geldstrafe für unangemessen hoch – und so legte sie gestern im Gericht dagegen Einspruch ein. „Meine Mandantin muss ja auch noch 350 Euro Miete im Monat zahlen“, erklärte ihr Verteidiger Joachim Wastl.

Polizei fiel die fehlende Beleuchtung auf

Bisher ist die 61-Jährige noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, sie hat auch keinen einzigen Punkt in Flensburg. Dementsprechend aufgeregt und auch verschüchtert wirkte sie gestern auf der Anklagebank. Zu schildern, wie es zu der Trunkenheitsfahrt kam, überließ sie daher lieber ihrem Anwalt: „Nach einem Streit mit ihrem Lebensgefährten wollte sich meine Mandantin Zigaretten holen und ist zu der Tankstelle gefahren. Es war sozusagen der Klassiker.“

Dabei fiel sie der Zivilstreife nicht etwa durch unkoordinierte Fahrweise auf. Es war das fehlende Licht, das die Polizei auf den Plan rief – der Rest ist bekannt.

Inzwischen hat die Dortmunderin Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle aufgenommen, nimmt dort regelmäßig an Gruppengesprächen teil. „Ich werte das als eine einmalige Geschichte, Sie haben keine Voreintragungen, Ihnen tut das alles leid und Sie haben schon einiges gegen ihr Problem unternommen“, sagte Amtsrichter Mario Pawlowski, der die Geldstrafe schließlich auf 300 Euro senkte und eine Sperre der Fahrerlaubnis von weiteren sechs Monaten verhängte. Als er der Frau gegen Ende des Prozesses entgegenhielt: „1,5 Promille, das ist aber auch schon eine ganz schöne Hausnummer“, da reagierte die 61-Jährige in der bunten Sommerbluse ein bisschen beleidigt: „Ich konnte aber noch ganz vernünftig Auto fahren, so ist das nicht.“

EURE FAVORITEN