Loveguards - das gute Gewissen der Loveparade

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Die anderen sind in der Überzahl. Massiv.

1,2 Millionen Raver werden am 19. Juli zur Loveparade in Dortmund erwartet. Mindestens. Bei gutem Wetter sogar mehr, meint Rainer Schaller, der Macher des Mega-Events. 1,2 Millionen vorwiegend junge Leute, die Spaß wollen und tanzen und Liebe. Auch Liebe machen. Deshalb sind inmitten der Masse auch 100 Loveguards unterwegs. Speziell geschulte Helfer, die vor allem eines unter die Leute bringen: Kondome.

Nein, sagt Desiree Schwartz, Techno sei "eigentlich nicht meine Musik". Und nein, sie könne sich "beim besten Willen nicht vorstellen, bei der Loveparade leicht bekleidet über die B1 zu hüpfen". Obwohl sie sich das leisten könnte - aber das ist ein anderes Thema. Desiree Schwartz ist 29 Jahre alt, studiert in Mönchengladbach Textil- und Bekleidungsingenieurin, und der Grund, warum sie dennoch mitmacht auf dem "Highway To Love", freiwillig und ehrenamtlich, ist banal: "Bei der größten Party der Welt dabei zu sein und noch etwas Sinnvolles zu tun, ist doch super. Die Zeit nehme ich mir."

Schon 2007 in Essen bei der Revier-Premiere der Loveparade war Desiree Schwartz als Loveguard mit dabei. Aufklären über die Risiken von ungeschütztem Sex, aber auch von Drogen- und übermäßigem Alkoholkonsum. Sie hat Kondome verteilt, aber auch Pflaster für schmerzende Blasen an durchgetanzten Raverfüßen. Manchmal hat sie den Techno-Fans auch einfach nur erklärt, wo sie die nächste Toilette finden oder den Bahnhof oder die Apotheke. Oder, oder, oder.

"Wir sind als Ansprechpartner da und gehen selber auf die Leute zu", sagt sie. Sagt auch ihr Kollege Bernd Roggenkamp, der schon 46 Jahre alt ist und sich am 19. Juli ebenfalls das beigefarbene T-Shirt der Loveguards überstreifen wird, das farblich vermutlich nicht von ungefähr an ein Pfadfinder-Hemd erinnert.

1,2 Millionen Raver und 100 Loveguards - Desiree Schwartz und Bernd Roggenkamp werden auch diesmal wieder Kilometer fressen. Sie werden sich den Mund fusselig reden und spät abends, wenn das Partyvolk zur Loveparade-Verlängerung in die Clubs ausschwärmt, todmüde ins Bett fallen. Sie werden tief schlafen und mit einem guten Gefühl. Denn sie sind, sagt Desiree, "so ein bisschen das Gewissen der Loveparade". Das gute Gewissen, versteht sich.

 
 

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