Linke planen Antifa-Camp in Dortmunder Neonazi-Hochburg

Antifa und linke Jugend demonstrierten im März in Dortmund gegen den Aufmarsch der Nazis (Autonome Nationalisten) an der Rheinischen Straße.
Antifa und linke Jugend demonstrierten im März in Dortmund gegen den Aufmarsch der Nazis (Autonome Nationalisten) an der Rheinischen Straße.
Foto: Knut Vahlensieck
Gegen die geplante Demonstration von Neonazis in Dortmund formiert sich bundesweiter Widerstand: Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden sind am ersten September-Wochenende geplant. Außerdem will die linke Szene mit einem zehntägigen Antifa-Camp in der Nazi-Hochburg Dorstfeld protestieren.

Dortmund. Gegen die geplante Demonstration von Neonazis am ersten September-Wochenende in Dortmund formiert sich bundesweiter Widerstand: Die linke Szene plant ein zehntägiges Antifa-Camp als Gegenveranstaltung. Stattfinden soll es in der Nähe des Stadtteils Dorstfeld, „wo der harte Kern der Dortmunder Naziszene in Wohngemeinschaften einen Rückzugsraum gefunden hat“, heißt es in den Aufrufen. Stadtverwaltung und Polizei in Dortmund reagieren bislang zurückhaltend auf die Pläne, die nicht zuletzt eine völlige Neubewertung der Sicherheitslage für den Herbst erfordern.

Ein „Aufbruchsignal“ gegen die Dortmunder Verhältnisse will das „Bundesweite Antifa-Camp Dortmund“ (BAD) vom 24. August bis 2. September setzen: „Wir möchten etwas Neues ausprobieren im Kampf gegen die Neonazis und so auf die Nazidemonstration im September reagieren“, erklärte Anna Potzetzki für den Organisatorenkreis. In den Aufrufen im Internet und auf Flyern wird die Stadt Dortmund harsch kritisiert: Sie habe „jahrelang dazu beigetragen, dass die Naziszene wachsen und sich etablieren konnte.“ Die Neonazi-Demo in Dortmund habe inzwischen „bundesweite Bedeutung“ wie die rechten Aufmärsche Mitte Februar in Dresden.

Erst jetzt, nach Ansicht der Linken und Autonomen zu spät, seien Veränderungen bei den Verantwortlichen festzustellen. So wird ausdrücklich die Haltung des neuen Polizeipräsidenten gelobt sowie die Einrichtung der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt „Back Up!“. In den Tagen des Antifacamps werde es Vorträge, Workshops und Diskussion zum Thema Antifaschismus geben. Getragen werde das Camp, so Anna Potzetzki, von verschiedenen antifaschistischen Gruppen in NRW.

„Mit Solidaritätskonzerten und -treffen soll das Camp finanziert werden“, so Anna Potzetzki weiter. Derzeit werde bundesweit dafür geworben. Das Studierendenparlament der Universität Duisburg-Essen etwa will das Camp finanziell unterstützen. Ähnliche Camps habe es in den vergangenen zwei Jahren gegeben, so die Sprecherin des Organisationskreises. Das nun geplante habe allerdings einen konkreten Anlass, die Neonazidemo.

Stadt steht in Kontakt mit Polizei

Die Polizei Dortmund reagierte auf WR-Nachfrage zurückhaltend: Es gebe „regelmäßig größere Gegendemonstrationen“ zum Neonazi-Aufmarsch, erklärte ein Sprecher, der bestätigte, dass ein Antrag der Rechtsradikalen auf eine Demonstration zum Antikriegstag im September vorliege.

Die Stadt habe bislang über Veröffentlichungen im Internet vom geplanten „BAD“ erfahren und stehe „mit Landesbehörden, wie der Polizei, im Austausch“, so Sprecher Michael Meinders. Anträge, wie etwa zur Nutzung öffentlicher Flächen, seien bisher nicht eingegangen, eine Veranstaltung nicht angemeldet worden. Generell befürworte die Stadt aber „alle legalen, demokratischen und gewaltlosen Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus“ und ruft zum friedlichen Protest auf.