Linke kritisieren Dortmunder Polizei nach Nazi-Angriff auf Hirsch-Q

Dortmunder Antifaschisten demonstrierten nach dem Nazi-Überfall auf die Dortmunder Szenekneipe Hirsch-Q gegen rechte Gewalt und Rechtsextremismus. Foto: Michael Printz/PHOTOZEPPELIN.COM
Dortmunder Antifaschisten demonstrierten nach dem Nazi-Überfall auf die Dortmunder Szenekneipe Hirsch-Q gegen rechte Gewalt und Rechtsextremismus. Foto: Michael Printz/PHOTOZEPPELIN.COM
Foto: PHOTOZEPPELIN.COM

Dortmund. Der Angriff von Rechtsradikalen auf die Dortmunder Szene-Keipe Hirsch-Q vom 12. Dezember 2010 beschäftigt das Antifa-Bündnis weiterhin. Nach ihrer Auswertung eines Überwachungsvideos erheben die Antifaschisten Vorwürfe gegen Ermittlungsbehörden.

Das Dortmunder Antifa-Bündnis hat am Pfingstwochenende eine Auswertung des Überwachungsvideos vom Nazi-Angriff am 12. Dezember 2010 auf die Kneipe Hirsch-Q veröffentlicht. Laut Mitteilung der Antifaschisten haben sie mehrere Täter identifiziert, unter anderem Sven K., der 2005 den Punker Thomas Schulz erstochen hatte und kurz vor dem Angriff das Gefängnis auf Bewährung verlassen durfte.

“Wir wollen mit dieser Auswertung zeigen, dass es - anders als von der Staatsanwaltschaft behauptet - durchaus Beweise für die Taten der Nazis gibt”, erklärt Hannah Piehl, Pressesprecherin des Bündnisses. Damit kritisierte sie u.a. Dortmunds Oberstaatsanwältin Ina Holznagel und deren Erklärung zu den stockenden Ermittlungen, da Beweise und Aussagen fehlen würden. Die Pressesprecherin des Antifa-Bündnisses widerspricht ihr: “Anders als behauptet, liegen der Staatsanwaltschaft mindestens von drei Betroffenen Zeugenaussagen zu dem Angriff vor.”

Mit gezielten Tritten traktiert

Die Auswertung des Dortmunder Antifa-Bündnisses schlüssele die einzelnen Straftaten gegen die Besucher und das Lokal in Dortmunds Brückstarße auf. Neben massiven Sachbeschädigungen an der Glasscheibe der Hirsch-Q wurde laut Mitteilung ein Gast von den Neonazis vor dem Lokal zu Boden gerissen und mit gezielten Tritten traktiert. Einer der Angreifer habe dabei mindestens einmal mit einem Messer zugestochen. Dazu Piehl: “Es lassen sich auf dem Video einzelne Täter eindeutig identifizieren. Ihnen können jeweils konkrete Straftaten zugeordnet werden. Dazu gehört zum Beispiel auch das Zustechen mit einemMesser auf einen Gast der Kneipe.”

Die Polizei hatte, so die Kritik des Bündnisses, in ihren Presseveröffentlichungen mehrmals lediglich von einer “Kneipenschlägerei” zwischen Linken und Rechten gesprochen und damit den Kontext eines Neonazi-Angriffs „völlig ignoriert“. Piehl dazu: “Es ist deutlich zu erkennen, dass es sich hier nicht, wie von Polizei und Staatsanwaltschaft verbreitet, um eine Auseinandersetzung verfeindeter Gruppen handelt, sondern dass eine Gruppe hochaggressiver Neonazis auf Besucher eines Lokals losgeht, die dort ihr Wochenende bei einem Bier genießen”.

Das Dortmunder Antifa-Bündnis fürchtet, dass die Staatsanwaltschaft die Verfahren gegen die Angreifer verschleppt und ohne weitere Konsequenzen einstellt. “Bereits in der Vergangenheit sind bei den zahlreichen Angriffen auf das Lokal nur selten AngreiferInnen verurteilt worden. Wir fragen uns, ob Dortmunder Polizei und Staatsanwaltschaft eine angemessene Strafverfolgung nicht leisten können oder wollen?”

 
 

EURE FAVORITEN