Linke fürchteten um ihr Leben bei Angriff von Rechtsradikalen in Dortmund-Wellinghofen

Dortmund.. Eine Gruppe von Antifaschisten ist in der Nacht zu Freitag in Wellinghofen von Nazis angegriffen worden. „Wir haben um unser Leben gefürchtet“, erklärt eines der Opfer. „Die waren so aggressiv, das habe ich bislang noch nicht erlebt.“

Wie die Opfer gegenüber der Polizei angaben, seien sie am frühen Freitagmorgen von vier vermummten Rechten, die aus einem in der Szene bekannten Bulli herausgestürmt waren, angegriffen worden. Die Angreifer hätten Baseballschläger bei sich gehabt, hätten ein großes Messer gezückt und Flaschen in Richtung der vier Antifaschisten geworfen. Sie seien aber nicht getroffen und nicht verletzt worden. Per Handy alarmierten die Angegriffenen die Polizei, konnten auch den Namen eines Angreifers den Beamten nennen.

Der Überfall ereignete sich um 2.47 Uhr im Bereich der Preinstraße/Zillestraße, schildert die Polizei in ihrem Bericht. „Bei Eintreffen der Polizei war der VW Bulli mit den Personen verschwunden. Trotz sofort eingeleiteter, intensiver Fahndung konnte das Fahrzeug und die Personen nicht angetroffen werden.“

Vor Ort entdeckten die Beamten, so die Polizei, frisch geklebte Plakate mit der Aufschrift „No Nazis“ sowie eine Gefriertasche mit Kleister und Farbrolle. Daraufhin wurden die Personalien der Antifaschisten aufgenommen. Die Polizei, so das Quartett, gehe davon aus, dass sie die Kleber waren. Doch alle vier beteuern: „Wir waren das nicht“! Sie hätten sich an der Haltestelle getroffen, weil das Haus eines Antifaschisten in Hörde von Nazis kurz zuvor beschmiert worden war. Um über diese Sache zu sprechen, habe man sich auf halber Strecke in Wellinghofen getroffen.

Bei der Personalienfeststellung „erschien eine 54-jährige Dortmunderin, Mutter eines der Beteiligten, am Einsatzort und begann, massiv und anhaltend die Polizeibeamten bei deren Arbeit zu behindern“, so der Polizeibericht. Da sie einem Platzverweis nicht nachgekommen war, wurde sie in Handschellen in einen Streifenw#agen verfrachtet. Erst nach Abschluss der Ermittlungen vor Ort wurde sie wieder aus dem Streifenwagen entlassen. Mittlerweile haben die Betroffenen einen Anwalt eingeschaltet, wollen gegen die Beamten Beschwerde einlegen.

Die Polizei bestätigte unterdessen, dass man ersten konkreten Täterhinweisen nachgehe. Zugleich bittet sie Zeugen um Hinweise unter 0231/132 - 7491.

Kritik an Polizei

Auf ihrer Internet-Seite schildert die Antifaschistische Union Dortmund ihre Sicht des Vorfalls und spart nicht mit Kritik am Verhalten der Polizei. Dort heißt es u.a.: „Was sich im Folgenden abspielte, kann nur als neuerlicher Polizeiskandal bezeichnet werden. Die AntifaschistInnen wurden von der Polizei nicht etwa als ZeugInnen vernommen, dringender erschien es den Einsatzkräften sie als Verdächtige einer Ornungswidrigkeit zu behandeln, da im Umfeld zwei Plakate mit der Aufschrift “No Nazis” entdeckt worden seien. Als die inzwischen eingetroffene Mutter eines Betroffenen sich bemühte, dahingehend klärend zu intervenieren, wurde sie von den Beamten festgenommen und mit Handschellen in ein Polizeiauto gesetzt.“

Hier offenbare sich „wieder einmal das fahrlässige Fehlverhalten der Dortmunder Polizei”, resümiert die Bündnis-Pressesprecherin. Und weiter: “Wer von Nazis überfallen wird, ist bei der Dortmunder Polizei grundsätzlich erst einmal verdächtig, Straftäter zu sein. Offenbar war den Beamten hier die Verfolgung einer Ordnungswidrigkeit wichtiger als ein erneuter Mordversuch durch Dortmunder Neonazis.”

Den Überfall selbst schildert die Union wie folgt: „Als die Neonazis eine der Personen als Antifaschisten erkannten, wendeten sie und sprangen mit Sturmmasken vermummt und Hiebwaffen in der Hand aus dem VW-Bulli. Fünf Neonazis griffen die AntifaschistInnen mit Baseballschägern, Pfefferspray, mitgeführten Steinen und Flaschen sowie mindestens einem Messer an, wobei von den Neonazis unter anderem die Drohung ‘Jetzt bist du dran, ich stech dich ab!’ ausgesprochen wurde. Während des etwa sechsminütigen Angriffs holten die Nazis immer wieder Flaschen und Steine aus dem Wagen, der für den Nachschub quer auf der Straße rangiert stand.“

 
 

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