Linke Aktivisten besetzen leerstehendes Gartencenter

Hausbesetzung in der Nordstadt: Mitglieder der linken Szene haben sich am Karsamstag im ehemaligen Herdes Gartencenter an der Bornstraße 245 einquartiert. Gegen 21.30 Uhr drangen nach eigenen Angaben etwa 15 bis 30 Aktivisten in die leerstehenden Räume ein. Sehr lange dauerte die Besetzung nicht, gegen 22.30 Uhr erschien die Polizei.

Dortmund.. Die linke Gruppe nennt sich selbst Avanti-Zentrum und ist zum ersten Mal im August 2014 öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getreten. Damals besetzten etwa zwei Dutzend ihrer Mitglieder in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die leerstehende Albertus-Magnus-Kirche an der Enscheder Straße. Ihre Forderung: ein autonomes Zentrum in der Nordstadt.

Großaufgebot der Polizei

Nach knapp einer Woche und einer Reihe von Gesprächen mit dem Pastoralverbund Nordstadt-Ost waren die Besetzer gezwungen, die profanierte Kirche zu verlassen. Mit einem Großaufgebot an Beamten stellte die Polizei Dortmund sicher, dass das ehemalige Gotteshaus auch tatsächlich geräumt wurde.

Auch wenn das friedlich vonstatten lief, galt dies doch nicht für die komplette Besetzung: Während einer Demonstration vor der Albertus-Magnus-Kirche war ein Stein nach Polizisten geworfen worden; die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Mitte Oktober besetzten Mitglieder des Avanti-Zentrums die ungenutzte neuapostolische Kirche an der Braunschweiger Straße in der Nordstadt. Hier griff die Polizei schneller durch und beendete die Aktion noch in derselben Nacht.

Erneute Besetzung

Nun hat sich die Avanti-Gruppe zurückgemeldet - wenngleich auch deutlich weniger spektakulär. Samstagabend gegen 21.30 Uhr verkündet sie auf auf ihrem Blog und via Twitter, dass 15 bis 30 ihrer Mitglieder das ehemalige Herdes Gartencenter an der Bornstraße 245 besetzt hätten. Das große Gebäude steht seit Januar 2014 leer, nachdem das Unternehmen Insolvenz angemeldet hatte:

Bornstraße 245 Besetzt! http://t.co/pArhcA2zD3

- AvantiZentrum (@AvantiZentrum) 4. April 2015

Bei den Besetzern handele es sich um "Schüler*innen, Arbeiter*innen mit und ohne Job, Student*innen oder Freiberufler" (Schreibweise übernommen, Anmerkung der Redaktion) aus der Nordstadt.

Gleichzeitig findet vor dem Gartencenter eine Solidaritätskundgebung von etwa 50 Menschen statt, angemeldet hat sie Iris Bernert-Leushacke, Sprecherin des Blockado-Bündnisses. Auf den Transparenten fordern die Teilnehmer mehr "Freiräume" in Dortmund, eine direkte Anspielung auf die Aktionswoche "Freiraumtage Dortmund" des Avanti-Zentrums, die vom 6. bis 12. April in Dortmund stattfinden soll. Mit dieser Woche will die linke Gruppe noch einmal auf ihre Forderung nach einem autonomen Zentrum und mehr sozialem Wohnraum hinweisen.

Unübersichtlich, aber ruhig

Gegen 22.30 Uhr verständigt ein freier Fotojournalist die Polizei. Zwei Polizeiwagen fahren zum Gartencenter. Die Lage ist in den ersten Momenten etwas unübersichtlich, insgesamt aber ruhig. Wie ein Sprecher der Dortmunder Polizei gegen 00.15 Uhr bestätigt, sind sowohl die Solidaritätsbekundung als auch die Besetzung selbst friedlich.

Wobei derzeit noch nicht offiziell bestätigt ist, dass es die Besetzung von Herdes Gartencenter tatsächlich gegeben hat. Außer dem großen Transparent mit der Aufschrift "BESETZT!" an der Außenseite der ehemaligen Geschäftsräume finden die Polizisten bei ihrer Durchsuchung nämlich niemanden der angeblichen Besetzer.

"Vorkehrungen getroffen"

Die erklären später auf ihrem Blog: "Nachdem am Abend klar wurde, dass die Eigentümer_innen des Gebäudes sich nicht auf Verhandlungen einlassen werden, haben wir Vorkehrungen getroffen. Der polizelichen Räumung und einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch haben wir uns rechtzeitig entzogen." (Schreibweise übernommen, Anmerkung der Redaktion) Gegen 1.10 Uhr löst Iris Bernert-Leushacke auch die Kundgebung vor dem Gartencenter auf.

Die Polizei teilte am Sonntagmorgen mit, dass nach dieser "Propaganda-Aktion" nun Ermittlungen wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs und eines möglichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz laufen. Ergebnisse seien in den nächsten Tagen zu erwarten.

Währenddessen schreibt das Avanti-Zentrum: "Wir freuen uns auf die kommende Woche, fertig sind wir noch lange nicht."

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