Letzter Akt für Film Casino-Bau in Dortmund

Ehemaliges Kino "Film Casino" am Ostenhellweg, Dortmund.
Ehemaliges Kino "Film Casino" am Ostenhellweg, Dortmund.
Foto: WAZ
Vor 65 Jahren eröffnet, seit 12 Jahren geschlossen – was passiert mit dem Kino Film Casino, dem dessen 50er-Jahre-Chic sogar den Denkmalschutz eingebracht hat? Eine spannende Frage für ein Stück Dortmunder Architekturgeschichte im Obergeschoss des Geschäftshauses zwischen Ostenhellweg und Rosental.

Dortmund.. Irgendwann kommt beim Stadtbummel jeder mal daran vorbei: An den leeren goldumrandeten Schaukästen, die an bessere Zeiten erinnern und die zum ehemaligen Film Casino gehören: 65 Jahre ist es her, dass im Obergeschoss eines Geschäftshauses zwischen Ostenhellweg und Rosental das Kino eröffnete, 12 Jahre, dass das unter Denkmalschutz stehende Kino geschlossen wurde. Seitdem steht es leer. Jetzt sollen Gutachten über die Zukunft des Baus entscheiden – wenn nicht rechtzeitig investitionswillige Interessenten auf den Plan treten.

Viele werden sich noch an die große lebendige Kinolandschaft im Dortmund der 70er/80er Jahre erinnern – u.a. an die Brückstraße mit Capitol und Universum, die Hansastraße mit Bambi und Studio, das Szene- und Studentenkino City-Hombruch – ebenda –, als auch an das Film Casino mit seiner kleinen Tochter Princess im Rosental.

Der architektonisch besondere Bau bestach mit seinem 50er-Jahre Charme, gestaltet von Architekt August Wittmann 1955/56. Sieht man von den heutigen Ladeninhalten ab, entführt schon die Passage zwischen Ostenhellweg und Rosental mit dem zum Teil noch in goldgefassten Schaufenstern auf schwarzem Sockel in das goldene Zeitalter.

Denkmalstatus

Die Stadt Dortmund verlieh 1998 dem Kino sogar Denkmalstatus, aus wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen. Noch heute kann man durch die geschlossene gläserne Eingangstür das goldgefasste Kassenhäuschen in der Eingangshalle sehen, von der aus eine große geschwungene Treppe ins Foyer und den Kinobereich führt. Doch bevor man in den konnte, hieß es warten. Im Vorfoyer, auf der Treppe. Mit Ausblick auf die anderen Besucher. Das war aber irgendwann vorbei. Hans-Joachim Flebbe hatte als letzter Betreiber noch versucht, das Film Casino aufrecht zuerhalten. Aber nach Eröffnung des Cinestars ging es merklich bergab, 2000 lief der Mietvertrag ohnehin aus. Flebbe gab auf.

Und auf einmal war nichts mehr da. Bis auf die kleinen Programm- und Filmkunstkinos Roxy, Camera und Schauburg waren alle Filmtheater verschwunden. Die Räumlichkeiten des Bambi und Film Casino gibt es noch, verwaist. „Beide Immobilien haben wir im Blick“, belegt Ludger Wilde, Chef des Planungsamtes, das Interesse der Stadt am Wiederbetrieb. Besonderes Anliegen sei das Film Casino mit seinem Entree mit Kassenhäuschen und Treppenschwung. Natürlich, so bestätigt auch die Denkmalbehörde, müsse die Erhaltung wirtschaftlich auch leistbar sein“. Dazu habe man die Gutachten in Auftrag gegeben, erklärt Rechtsanwalt Axel Pohlmann, der Hausbesitzerin Gisela Henter vertritt. Die alte Dame ist sehr zurückhaltend mit ihren Aussagen zu ihren Zukunftsplänen. Eigentlich will sie gar nichts sagen, viel zu schlechte Erfahrung habe sie gemacht. Aber dass sie keine Freundin der Multiplex-Kinos, sondern Verfechterin der kleineren, guten Kinos ist, ließ sie durchblicken. Trotzdem: Ein erstes Gutachten habe Asbest nachgewiesen, ein zweites Gutachten untersuche die Statik. Das Ergebnis steht noch aus.

Erhaltung leistbar?

Aber faktisch, so Pohlmann, sei das Gebäude als Kino nicht nutzbar, „wo sind die Parkplätze“, weist Pohlmann auf einen Mangel hin. Man müsse schon richtig Geld in die Hand nehmen, um das wieder hinzubekommen. Wenn das Statik-Gutachten nicht niederschmetternd ist, könnte es vielleicht echte Kinoliebhaber auf den Plan rufen. Liebhaber mit Erfahrung und dem nötigen Kapital. Um dann sagen zu können, „Film ab im Film Casino!“ – passenderweise mit dem Klassiker „Totgesagte leben länger“.

 
 

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