Land bremst Tempolimit rund um Dortmund aus

Bei von der Bezirksregierung geforderten Tempolimits auf Autobahnen rund um Dortmund tritt das Land derzeit auf die Bremse. Foto: Franz Luthe
Bei von der Bezirksregierung geforderten Tempolimits auf Autobahnen rund um Dortmund tritt das Land derzeit auf die Bremse. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe
Das Vorhaben, auf den Autobahnen rund um Dortmund ein flächendeckendes Tempolimit einzuführen, droht zu scheitern. Zumindest folgten der Ankündigung der Bezirksregierung bislang keine Taten. Also müssen lärmgeplagte Autobahn-Anwohner weiter warten.

Dortmund.. Ein Satz mit X - war wohl nix: Droht das ehrgeizige Vorhaben, auf den Autobahnen rund um Dortmund ein flächendeckendes Tempolimit einzuführen, in bürokratischer Versenkung zu verschwinden? Ganz danach sieht es derzeit aus. Denn dem im vergangenen März medienwirksam präsentierten Plan von Regierungspräsident Gerd Bollermann, der auf insgesamt 88 Autobahn-Kilometern rund um Dortmund Geschwindigkeitsbeschränkungen einführen wollte, sind zehn Monate später noch immer keine Taten gefolgt.

Schon im letzten Mai sollte der auf ein bis drei Jahre angelegte Feldversuch auf den Autobahnen A 42, 44 und 45 starten - man wolle nur noch den Mobilitätsgipfel der Landesregierung abwarten, hieß es damals. Bollermann und seine Behörde hatten den Plan aufwändig vorbereitet. Insgesamt 140 Kilometer Autobahn im dicht besiedelten östlichen Ruhrgebiet hatte die zuständige Fachabteilung unter die Lupe genommen.

Der Behördenchef selbst befuhr mit seinem Abteilungsleiter Verkehr die in Frage kommenden Autobahnabschnitte. Das Ergebnis: Auf den besagten 88 Kilometern wollte die Bezirksregierung stärker als bisher und streckenweise erstmals überhaupt die Bremse anziehen. Angepeilt waren Limits von 100 bis 130 km/h.

Sauerlandlinie

Unter anderem will man den Rasern auf dem A 44-Teilstück zwischen Dortmund und Bochum sowie auf der am Kreuz Dortmund-Nordwest beginnenden Sauerlandlinie (A 45) zu Leibe rücken. Bis zum Westhofener Kreuz gibt es dort in Südrichtung bislang überhaupt kein Tempolimit - zum Leidwesen vieler lärmgeplagter Anwohner im ansonsten eher beschaulichen Dortmunder Süden. Von dort waren denn auch die meisten Beschwerden über den Verkehrslärm auf der Autobahn gekommen. Damit unter anderem hatte Bollermann damals seinen Vorstoß begründet.

Doch seine Hoffnungen, die rot-grüne Landesregierung werde Tempo machen bei der Drosselung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, muss SPD-Mitglied Bollermann nun wohl begraben. Denn auch acht Monate nach dem angestrebten Einführungstermin rührt sich nichts. Aus dem Düsseldorfer Verkehrsministerium gibt es noch immer kein greifbares Signal, welchen Verlauf die Angelegenheit nimmt.

„Unbefriedigend zählebig“

Entsprechend unglücklich ist man mit der Situation in Arnsberg. „Unbefriedigend zählebig“ sei die Sache, heißt es in der Behörde. Das Projekt erfordere wohl „einen langen Atem“. Regierungspräsident Bollermann ließ auf Anfrage unserer Zeitung jetzt versichern, er stehe weiterhin zu dem Vorhaben. In Arnsberg sieht man den Ball im Feld des Verkehrsministeriums liegen.

Dort steht das Projekt derzeit unter Finanzierungsvorbehalt. Das Ministerium teilte gestern auf WAZ-Anfrage mit, dass für Tempolimits aufwändige Lärmschutzgutachten erstellt werden müssten.Aufträge für solche Prüfungen könnten aber derzeit nicht vergeben werden, weil der Landeshaushalt 2012 noch nicht beschlossen ist.

Autobahnkreuz Dortmund/Unna stark belastet

Das Teilstück der A1 zwischen Autobahnkreuz Dortmund/Unna und Schwerte ist übrigens der am stärksten befahrene Autobahnabschnitt Westfalens. Das geht aus der gerade veröffentlichten „Straßenverkehrszählung 2010“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hervor. Demnach passieren die Strecke durchschnittlich 102.500 Fahrzeuge am Tag.

Weitere vielbefahrene Autobahnen sind in Westfalen die A 40 zwischen Bochum Dückerweg und Bochum Stahlhausen (102.300 Kfz pro Tag) sowie die A 2 zwischen Autobahndreieck Bottrop und Gladbeck-Ellinghorst (94.100 Kfz pro Tag). Insgesamt stellt die BASt bei ihrer alle fünf Jahre erhobenen Statistik nur eine geringe Zunahme des bundesweiten Straßenverkehrs um 1,2 Prozent fest.

 
 

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