Lage in Elends-Stadtteil kein Stück verbessert

Die Lage in dem Plovdiver Stadtbezirk Stolipinovo hat sich seit dem Besuch einer Dortmunder Delegation im Februar 2011 keinen Deut verbessert. Experten sprechen von einer tickenden Zeitbombe - und erwarten, dass weitere Flüchtlinge gen Dortmund aufbrechen.

PLOVDIV/DORTMUND. Mangels Drucks reicht das Wasser nur bis in die vierten Etagen der alten Plattenbauten. Dann fließt es in die Keller zurück. Aids und Tuberkulose breiten sich aus. Prostitution und Drogenkonsum verstärken die Seuchengefahr.
Dazu kommt eine Arbeitslosigkeit von 90 Prozent.

"Stolipinovo ist eine tickende Zeitbombe. Wir wissen nicht, wie es weiter geht. Die Bevölkerung wächst und wächst, aber ist kein Platz im Viertel", bewertet der Vorsitzende der Roma-Stiftung in dem Bezirk, Anton Karagyosov die Lage.

Projekte gegen Krankheit

Aktuell betreiben drei nichtstaatliche Institutionen im Auftrag des Gesundheitsministerium Kampagnen gegen Aids. Ende 2014 laufen die Projekte aus. Neues Geld ist zurzeit nicht in Sicht.
"Wir befinden uns in einem Teufelskreis", sagt die in München ausgebildete Psychologin Renata Veneva, "wir müssen uns um 12- bis 15-jährige Mütter kümmern, die spätestens nach dem sechsten Schuljahr die Schule verlassen haben und deshalb nicht ausgebildet werden können. Für sie gibt es keine Alternative zur Arbeitslosigkeit."
Renata Veneva hat vor 15 Jahre die "Nationale Allianz zur Arbeit mit Freiwilligen" (Nava) gegründet und vertritt als Vorsitzende die Interessen von 1000 Ehrenamtlichen, die mindestens vier Stunden pro Woche in Sozialprojekten arbeiten. Diese freiwillig arbeitenden "Nichtregierungs-Organisationen" (NGO) arbeiten unter schwierigsten Bedingungen, weil ihnen der Zugang zu Geld erschwert wird.

Kinder nach Dortmund verfrachtet

"Alles ist auf Kante genäht. Die NGO stehen in Bulgarien kurz vor dem Exitus", beklagt Mirko Schwanitz vom Verein zur Förderung bulgarischer Kinderheime. Das 1999 von dem in Berlin gegründeten Verein unterstützt das modernste Kinderheim Bulgariens, in dem zurzeit 70 Kinder leben. Manche verschwinden von heute auf morgen - weil die Eltern sie einfach abgreifen und, wie in einem aktuellen Fall, mit insgesamt sieben Kindern nach Dortmund fahren.

Peter Bandermann