Künstler sagen: Wir haben die Affen gestohlen!

Den Diebstahl von drei Zwergseidenaffen aus dem Dortmunder Zoo hat das Zentrum für politische Schönheit am Freitagabend zugegeben und angekündigt, die Affen am Samstagabend auf der Schauspiel-Bühne zu präsentieren. Die Leitung des Schauspiels kündigte daraufhin an, die Premiere abzusagen. Allerdings spricht einiges dafür, dass das eine bewusste Falschmeldung ist, bei der auch die Intendanz des Schauspiels mitspielt.

Dortmund. "Katastrophe für Dortmunder Zoo: Das waren wir!" twitterte das Zentrum für politische Schönheit am Freitag-Nachmittag, einen Tag vor der Premiere des Stücks "2099", bei dem Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des Zentrums, Regie führt. Bezogen ist der Tweet auf den Diebstahl von mehreren Affen aus dem Dortmunder Zoo Anfang August, verlinkt auf den damaligen Artikel des Nachrichtenmediums ntv.

Bereits die dritte Aktion

Zweimal zuvor hatte das Zentrum für politische Schönheit im Zusammenhang mit der Premiere mit medienwirksamen Aktionen auf sich und die Inszenierung aufmerksam zu machen versucht: mit einer "Jagd auf Nazis" in Dorstfeld am 28. August und der angekündigten Erschießung eines Tierbabys im Dortmunder Zoo am 16. September. Beide Aktionen stellten sich schnell als Fakes heraus.

Daher ist es wahrscheinlich, dass auch das Schuldeingeständnis über Twitter nicht der Wahrheit entspricht, sondern der Werbung für die Premiere dient. Dass Schauspiel-Intendant Kay Voges in einer Stellungnahme auf dem Schauspielblog die Verantwortung für den vermeintlichen Tierdiebstahl ablehnt und dem Zentrum androht, die Premiere abzubrechen, wenn die gestohlenen Affen wirklich im Stück auftauchen sollten - auch das spricht eher für einen Werbe-Fake.

Kay Voges: "Wenn sie die Affen zurückgeben, dürfen sie auch spielen"

Wenn Voges den Diebstahl wirklich für möglich hielte, würde er die Premiere vermutlich direkt komplett absagen. "Wenn sie die Affen wirklich gestohlen haben, aber sie vorher zurückgeben, dürfen sie die Premiere auch spielen", sagte Voges auf Nachfrage unserer Redaktion am Freitagabend.

Seine beiden früheren Aktionen begründete das Zentrum mit moralischen Motiven - Kampf gegen Rechts bei der Dorstfeld-Aktion und das Lenken der Aufmerksamkeit auf die Menschen, die bei der Flucht nach Europa gestorben sind, durch die angekündigte Tierbaby-Tötung. Die Schuldübernahme des Affendiebstahls dagegen hat das Zentrum bisher mit keinem politischen oder moralischen Motiv begründet.

Tilman Abegg