Kronen-Besetzer: „Leerstand ist kriminell!“

Tino Buchholz und Svenja Noltemeyer waren bei der Aneignung der Kronenbrauerei dabei. Foto: Knut Vahlensieck
Tino Buchholz und Svenja Noltemeyer waren bei der Aneignung der Kronenbrauerei dabei. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: WR Dortmund/Knut Vahlensieck

Dortmund.. Fünf Stunden lang hatten sie die leerstehende Kronenbrauerei annektiert, um ein Unabhängiges Zentrum Dortmund (UZDO) für alternative Kultur zu eröffnen – bis die Polizei sie aufforderte, das Gebäude zu verlassen. Die Aktivisten aber kämpfen weiter und wehren sich gegen ihre Kriminalisierung: „Leerstand ist kriminell!“

Stadtsoziologe Tino Buchholz hat Fotos von Detroit mitgebracht: Riesige, leerstehende Häuser, Monstren einstigen Wohlstands, Zeitzeugen einer untergehenden Stadt. „So soll es hier nicht aussehen.“ Seit Jahren aber sammeln er und Svenja Noltemeyer, Ratsmitglied der Grünen, beunruhigende Eindrücke: Die Schließung des Cosmotopia, der Wegfall der ThierBrauerei-Szene, die Unbeweglichkeit auf dem Hafen-Gelände. Und damit verbunden das Gefühl, dass es für die von unten kommende, nicht etablierte Musik und Kunst der 20- bis 40-Jährigen keine Orte in der Stadt gibt. Von Stätten freier Kultur wie dem Depot, dem Künstlerhaus oder dem balou fühlen sie sich nicht vertreten. „Das ist eine andere Generation.“

Ruhr.2010 hat die Subkultur komplett vergessen

Den Schritt von der Theorie in die Praxis ausgelöst hat die Kulturhauptstadt: „Die subkulturelle Szene ist da komplett vergessen worden“, sagt Noltemeyer. Deswegen wollten die Aktivisten im Wortsinne selbst aktiv werden, als Dortmunder Bürger Verantwortung tragen - und sich mit der Aneignung der Kronenbrauerei Raum dafür nehmen: „Der formale Weg ist zu langsam. Das muss schneller gehen“, so Buchholz. „Man kann selbst etwas machen.“ Beide sprechen nicht von Besetzung, sondern von der „ungefragten Belebung eines Leerstands“: Für sie ist der Eigentümer in der Pflicht, sich um sein leerstehendes Gebäude zu kümmern - in den Niederlanden etwa seien Zwischennutzungen durch Künstlerinitiativen üblich.

Entsprechend hoffen die Aktivisten, dass Hans Georg Hovermann, Eigentümer Kronenbrauerei, die Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch unter Vorbehalt nicht ausübt. Drei Monate Zeit für die Entscheidung bleiben ihm.

„Recht auf Andersartigkeit, Mitbestimmung und Raumaneignung“

Zeit, die die Aktivisten nutzen wollen, um mit Hovermann, der Wirtschaftsförderung und Kulturdezernent Jörg Stüdemann zu sprechen. Um mit „Humor und Leichtigkeit“ ihr „Recht auf Andersartigkeit, Mitbestimmung und Raumaneignung“ zu verhandeln. Allerdings mit Ungeduld: Das Theater Lebendich benötige bis 1. Oktober neue Räumlichkeiten. „Wir werden Leerstände kennzeichnen, dort Aktionen machen - und wenn alles nichts hilft, ist unser Druckmittel jetzt bekannt“, so Tino Buchholz.

Noch bis Samstag bieten die UZ-ler das Kulturprogramm, das sie für die Kronenbrauerei geplant und nun auf die Kapellenwiese an der Münsterstraße verlegt haben. Eine Aktion, die auch helfen soll, die Gruppe zu festigen: „Die Treffen jetzt sind größer denn je.“

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