Kritisierter Burger-King-Unternehmer auch in Dortmund tätig

Hyun-Ho Cha
Auch die Burger-King-Filialen in Dortmund gehören dem kritisierten Unternehmer Yildiz.
Auch die Burger-King-Filialen in Dortmund gehören dem kritisierten Unternehmer Yildiz.
Foto: dpa
Ausgebeutete Angestellte, Keime in der Küche: Ein Reporter-Team um Günter Wallraff hat verdeckt bei der Fastfood-Kette Burger King recherchiert. Die Ergebnisse sind unappetitlich. Verantwortlich ist der Franchise-Unternehmer Ergün Yildiz, der in Dortmund drei Burger-King-Filialen betreibt.

Dortmund. Der 71 Jahre alte Günter Wallraff gilt als die Instanz des deutschen Journalismus. Seine Undercover-Recherche als "Hans Esser" bei der Bild-Zeitung in den 70er-Jahren ist legendär, als türkischer Gastarbeiter "Ali Levent Sinirlioglu" war Wallraff Anfang der 80er-Jahre bei mehreren Firmen tätig - unter anderem auch bei McDonald's.

Jetzt, gut 30 Jahre nach seiner Zeit als Gastarbeiter Ali, hat sich Wallraff wieder der Fastfood-Branche zugewandt. Für den Fernsehsender RTL hat sich das Team Wallraff bei Burger King umgeschaut - mit versteckter Kamera und konspirativen Treffen auf Parkplätzen. 3,79 Millionen Zuschauer haben eingeschaltet.
Ziel des Recherche-Einsatzes: Der Burger-King-Franchisenehmer Ergün Yildiz und seine Yiko-Holding GmbH. 91 Filialen betreibt Yildiz in ganz Deutschland, drei davon befinden sich in Dortmund - jeweils eine in der Innenstadt, Kley und in der Nordstadt.

Vom Klo in die Küche

Am Montagabend hat Team Wallraff seine Ergebnisse auf RTL vorgestellt. Sie sind ekelerregend. Ein Mitarbeiter putzt erst das Klo und bereitet dann einen Burger zu, fasst das rohe Fleisch mit bloßen Händen an. Vorgeschriebene Schutzkleidung für den Umgang mit gefährlichen Küchengeräten sucht man vergebens.

Salat und Tomaten liegen stundenlang herum, bis sie verarbeitet werden - und wenn das Verfallsdatum überschritten wird, bekommt das Gemüse einfach ein neues Etikett mit neuem Verfallsdatum. Bei einer Untersuchung von Abstrichen aus der Küche wurden gefährliche Darmkeime entdeckt.

Drei Filialen in Dortmund

Der Fernsehbeitrag lässt den Schluss zu, dass die hygienischen Bedingungen auch in den Dortmunder Filialen fragwürdig sein könnten. Wundern würde es einen nicht, warum sollten die Yildiz-Burger-Bratereien in Dortmund sauberer, besser arbeiten?


Laut Wallraffs Reportern zahlt Yildiz seinen Angestellten kein Krankengeld, kein Urlaubsgeld und kein Weihnachtsgeld. Lästige Betriebsräte versuche er über seinen Anwalt Helmut Naujoks loszuwerden. Naujoks wird von Journalisten der "Betriebsrätefresser" genannt, von ihm stammt auch das Buch "Kündigung von Unkündbaren".

Betriebsräte sollten gefeuert werden

Einen solchen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt Yildiz auch in Dortmund: Den Betriebsratsvorsitzenden der Burger-King-Filiale an der Borussiastraße versucht er seit Monaten fristlos zu entlassen: Ihm wird Arbeitszeitbetrug vorgeworfen, er habe eine Krankheit nur vorgetäuscht.

Wegen des angeblichen Diebstahls von sieben Tütchen Soße wurde der Betriebsrat der Burger-King-Filiale in der Nordstadt im Juni 2013 gefeuert. Der Fall landete vor dem Arbeitsgericht, die Kündigung musste zurückgenommen werden.

Heftige Kritik auf Facebook

Auf die von Wallraffs Reportern erhobenen Vorwürfe haben weder Burger King selbst noch die Yiko-Holding GmbH reagiert. Dafür muss der Fastfood-Gigant auf seiner deutschen Facebook-Seite heftige Kritik einstecken - und für die offenbar katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Filialen der Yiko-Holding GmbH. Die meisten Facebook-User unterscheiden allerdings nicht zwischen den unterschiedlichen Franchise-Nehmern und beschimpfen Burger King ganz generell.

Stadt Dortmund: Keine Beanstandungen

Die Stadt Dortmund gibt in Sachen Lebensmittel-Hygiene zumindest für die insgesamt fünf Burger-King-Geschäfte in Dortmund Entwarnung (drei davon gehören zum Yildiz-Unternehmen Yiko-Holding GmbH): Wie Stadt-Pressesprecher Hans-Joachim Skupsch auf Nachfrage mitteilte, hat es bei Routine-Kontrollen "keine Beanstandungen" gegeben. Jede Filiale werde zweimal pro Jahr unangekündigt überprüft.


Auch Burger King Deutschland hat inzwischen auf den Fernsehbeitrag reagiert: Wie der Branchendienst Meedia berichtet, habe das Unternehmen "keinerlei Toleranz und Akzeptanz" für die Handlungen der Yiko-Holding GmbH. Gleichzeitig weist der Konzern darauf hin, dass es sich bei Yiko-Holding um einen "rechtlich und wirtschaftlich" unabhängigen Unternehmer handele. Mit ihm wolle man jetzt einen "Aktionsplan" erarbeiten, um die Missstände zu beseitigen.