Kritik zur Messe „Jagd und Hund“ in Westfalenhallen Dortmund wegen Tiertötungen

DerWesten

Dortmund. Grün in allen Schattierungen ist in den Dortmunder Westfalenhallen derzeit die alles dominierende Farbe. Hier treffen sich Jäger, Angler und Naturfreunde seit Dienstag auf ihrer größten Fachmesse in Europa, der „Jagd und Hund“. Heftige Kritik hingegen übt der Deutsche Tierschutzbund an den Jagdveranstaltern und der Messe, die Marktführer in Sachen Tiere töten sei.

Anlässlich der Messe „Jagd und Hund“ in Dortmunds Westfalenhallen kritisiert der Deutsche Tierschutzbund die Jagdveranstalter. Nüchtern werbe die Messe im Veranstaltungskalender mit einem Produkt- und Dienstleistungsangebot mit den Schwerpunkten in den Bereichen Jagd sowie Angeln. Doch laut Tierschutzbund sterben jährlich beim „Volksport Jagd mehr als fünf Millionen Wildtiere in Deutschland, obwohl es für den Abschuss der meisten jagdbaren Tierarten keinerlei ökologische Notwendigkeit gibt.“

Darüber hinaus würden geschätzt jedes Jahr mehr als einhunderttausend Katzen und einige tausend frei laufende Hunde von Jägern erschossen. Die offiziellen Zahlen würden allein für NRW den Tod von fast 40.000 Katzen in den letzten drei Jahren belegen. Der Deutsche Tierschutzbund erneuere daher seine Forderung nach einer grundlegenden Novellierung des deutschen Jagdrechts. Das Jagdwesen in Deutschland werde wichtigen Grundsätzen des Tierschutzes nicht gerecht. Wer die ethische Verantwortung für die Mitgeschöpfe ernst nehme, könne Jagd nur dann rechtfertigen, wenn sie sich nach sorgfältiger wissenschaftlicher Prüfung als ökologisch erforderlich erweise und Tiere dadurch von Leiden erlöst oder vor Leiden bewahrt würden.

Deckmantel Naturschutz

„Unter dem Deckmantel des angewandten Naturschutzes werden in Deutschland Dutzende von Tierarten erbarmungslos und ohne ökologische Notwendigkeit bejagt. Dies geschieht zum Teil mit Methoden, die absolut grausam und tierquälerisch sind“, so Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Zur Umsetzung der notwendigen Veränderungen des Jagdwesens und des Jagdrechts in Deutschland müsse das Bundesjagdgesetz als Rahmen grundlegend reformiert werden. Einzelne Jagdpraktiken, z.B. die Jagdhundeausbildung an lebenden Enten oder tierschutzwidrige Jagdmethoden wie die Fallenjagd und die Verwendung von Bleischrot, müssen verboten werden, fordert Europas größte Tierschutzorganisation.

Ein weiteres Problem des Jagdgesetzes sei die Pauschalregelung zum Abschuss von Haustieren. Laut derzeitiger Regelung können Jäger wildernde Hunden und Katzen abschießen. In der Praxis bedeute dies: Eine Katze könne bereits dann abgeschossen werden, wenn sie wenige Hundert Meter von einem Wohnhaus entfernt über eine Wiese laufe oder vor einem Mauseloch sitze. Dass die Katze in diesem Fall gar keine Gefahr für das Wild darstelle, sei dabei völlig irrelevant. Es komme auch immer wieder vor, dass Hunde ohne ersichtlichen Grund getötet werden, selbst dann wenn sie nur einige Meter vom Halter entfernt durch den Wald laufen. „Das ist unglaublich“, so Schröder abschließend.

Treues Publikum

Ungeachtet dessen bilden sich lange Schlangen an den Kassen zur „Jagd und Hund“. Man kennt sich. Die Messe hat ein treues Publikum, wer einmal da war, kommt immer wieder. „Ich bin Jäger, und die Messe bietet die Möglichkeiten, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sich Argumente anhören zu können“, sagt Frank Warschun aus Wickede/Ruhr. „Das können Kataloge und das Internet noch lange nicht.“

Auch wenn die Männer in der Überzahl sind, zahlreiche Frauen streifen ebenfalls durch die Gänge. Die meisten trifft man in Halle acht, wo die Hundeclubs ihre Stände aufgebaut haben und wo die Ausstellungstiere bei so mancher Besucherin für Entzückung sorgen. Neben Informationen über die Vorzüge und Gewohnheiten der Hunde bieten die Klubs der Jägerschaft hier aber auch Hilfestellung bei der Suche nach der richtigen Rasse. Denn Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund. Die Palette reicht nicht nur vom kleinen Teckel bis zum großen Deutschen Drahthaar, sondern viele Rassen sind für bestimmte Einsätze besonders geeignet. So gibt es neben den Vorsteherhunden die Apportierhunde oder Fährtenhunde.

„Wir verkaufen aber nicht, und es ist auch keine Werbeveranstaltung“, betont Herbert Urmersbach vom Klub Tiroler Bracken. Es gehe darum, die Hunde einmal zu zeigen und ehrlich zu informieren. Wer einen dieser Vierbeiner erstehen will, muss ohnehin erst dem Klub beitreten, wirkliches Interesse zeigen und dann etwa ein halbes Jahr warten. Denn: „Wir züchten nur so viele Tiere, wie die Erwartungshaltung ist“, betont Urmersbach.

Kleidung nimmt größten Raum ein

Dafür, dass der Hund im Namen der Messe auftaucht, nimmt er jedoch nur einen relativ kleinen Teil der Ausstellungsfläche in Anspruch. An den meisten Ständen wird Zubehör angeboten. So macht die Kleidung der Naturfreunde den größten Teil der Ausstellung aus. Denn ob Jäger oder Angler, wer viel an der frischen Luft ist, braucht die entsprechende Kleidung. Die gibt es in den Westfalenhallen in jeder Variante, und selbst Kinderdirndl sind im Sortiment. Dieses Angebot und die Möglichkeit, Schnäppchen zu machen, lockt Besucher wie Gebhard Sonntag aus Münster nach Dortmund. Die Familie Gecken aus Bühren bei Paderborn ist hier, um zu erfahren, was es Neues gibt. Ihren Hund Lilly haben sie dabei, denn den haben sie ebenfalls der „Jagd und Hund“ zu verdanken. „Bei der Messe vor zwei Jahren knüpften wir hier den Kontakt zum Verein Vizsla in Not, und der vermittelte uns Lilly“, erzählt die Familie stolz.

Alfons Holtslag reiste eigens aus Holland an - wegen der Greifvögel. Der Falkner will zwar auch ein paar Kleinigkeiten wie neue Pinzetten kaufen oder sich nach einer neuen Jacke umsehen, doch noch steht er mit glänzenden Augen am Rand der Greifvögelschau. Ob Falke, Uhu, Steinadler oder Bussard ? hier sitzen die Könige der Lüfte auf ihren Pfosten und blicken ganz gelassen in die Runde. So mancher hält den Steinadler für ein ausgestopftes Modell, bis dieser plötzlich den Kopf dreht. „Das ist so ein Wahnsinn. Das sieht man in Holland nicht oft“, schwärmt Holtslag.

„Wald, Wild und Mensch gehören zusammen“

Überhaupt ist die Atmosphäre in den Messehallen naturnah. Überall riecht es nach Holz, nach Rindenmulch, nach Waldboden. Da braucht Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, anlässlich des 30. Geburtstags der Messe nicht zu betonen, dass die Jagd ein unverzichtbarer Bestandteil zum Erhalt und zur Pflege der Natur- und Kulturlandschaft ist. Das ist hier jedem bewusst. Daher widmet sich der Großteil der Besucher auch gelassen dem Angebot, während Kloos bei der Eröffnung bilanziert: „Wald, Wild und Mensch gehören zusammen. Es darf kein Gegeneinander geben, sonst verlieren wir alle.“

Die Messe ist noch bis Sonntag täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 13 (ermäßigt 8) Euro. (dapd)