Kritik aus Dortmund am geplanten 100-Kilometer-Radweg

So war es beim Still-Leben im Rahmen von Ruhr.2010 auf der B1 in Dortmund: Nun sorgt die Diskussion um einen 100 Kilometer langen Radweg zwischen Duisburg und Hamm für Zündstoff. Foto: Katrin Figge/DerWesten
So war es beim Still-Leben im Rahmen von Ruhr.2010 auf der B1 in Dortmund: Nun sorgt die Diskussion um einen 100 Kilometer langen Radweg zwischen Duisburg und Hamm für Zündstoff. Foto: Katrin Figge/DerWesten
Foto: Katrin Figge
Eine 100 Kilometer lange Rad-Verbindung soll zwischen Duisburg und Hamm entstehen. Eine Rad-Autobahn durch das Ruhrgebiet? Dortmunds CDU sieht bei dem Gedanken rot. Kosten von mehr als 100 Millionen Euro schrecken die Kritiker ab. Zugleich habe dieser Highway für Radler aber wenig Nutzen.

Dortmund.. Nichts als Kopfschütteln lösen bei der CDU im Dortmunder Rathaus Überlegungen aus, zu Kosten von weit über 100 Millionen Euro eine Radautobahn quer durchs Revier zu legen.

„Bei aller Sympathie für den Radverkehr - da stehen Kosten und Nutzen im krassesten Missverhältnis. Deshalb wollen wir hier schon frühzeitig die Ampeln auf rot stellen“, tritt Thomas Pisula, Planungssprecher der CDU-Fraktion, gleich bei der ersten Gelegenheit auf die Bremse.

Die Gelegenheit kommt in der nächsten Woche: Planungs-, Bau- und Verkehrsdezernent Martin Lürwer (CDU) legt dem Stadtentwicklungsausschuss des Rates am Mittwoch eine 160 Seiten dicke Studie zum bislang allseits beklatschten „RadschnellwegRuhr“ vor.

Zustimmung oder Ablehnung fragt Lürwer nicht ab. Ihm reicht es, wenn die Fachpolitiker die bisher angestellten Überlegungen sowie die Absicht zur Kenntnis nehmen, sie per Machbarkeitsstudie noch feiner auszuarbeiten. Die Frage der finanziellen Auswirkungen wird in seinem Beschlussvorschlag ganz vorne schon beantwortet: „Keine."

Etwa 37 Mio Euro auf Dortmunder Stadtgebiet

Was bestenfalls für den Augenblick stimmt. Denn von den bislang geschätzten 110 Millionen, die das neue „Angebot für den Alltagsverkehr“ zwischen Hamm und Duisburg kosten soll, müssten etwa 37 Mio Euro auf Dortmunder Stadtgebiet verbaut werden.

Schon die Grundannahme, eine Ost-West-Fahrradautobahn könne die völlig überlastete B 1 (A 40) spürbar entlasten, gehe an der Realität vorbei, rügt CDU-Sprecher Pisula. Nur Idealisten würden sich in den kalten Monaten überreden lassen, mit dem Rad statt mit dem Auto quer durchs Revier zur Arbeit zu fahren

„Abenteuerlich“

Als „geradezu abenteuerlich“ bezeichnet der CDU-Ratsherr konkrete Vorschläge eines vom Regionalverband Ruhrgebiet beauftragten Dortmunder Planungsbüros zur Trassenführung auf dem Stadtgebiet - gipfelnd in der Idee, diagonal unter die neue Schnettkerbrücke eine zweite Brücke allein für Radfahrer über das Emschertal zu spannen. Für Pisula „ein Schildbürgerstreich, der angesichts der Finanzlage der Kommunen ein Skandal wäre“.

Als Beleg für die Nichtfinanzierbarkeit der Drahtesel-Autobahn führt die CDU das NRW-Förderprogramm „Sonderradwege-Bau 2012“ an. Von den 9,5 Zuschuss-Millionen flössen gerade mal 470 000 Euro für kleinere und Kleinstprojekte in 15 Kommunen ab. Was die Landesregierung so begründe: die katastrophale Haushaltslage der Revierstädte verhindere die kommunale Mitfinanzierung.

Statt Hirngespinsten nachzujagen, fordert Ratsherr Pisula, sollte die Politik lieber alles daransetzen, „das bestehende Radwegenetz, wo immer dass technisch möglich ist, sinnvoll zu ergänzen“.

 
 

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