Kopftuchverbot gilt auch in anderen Dortmunder Krankenhäusern

Der Fall einer muslimischen Krankenschwester, der wegen ihres Kopftuchs vom katholischen Johannes-Hospital gekündigt worden ist, hat eine stadtweite Diskussion ausgelöst. Doch auch in anderen kirchlichen Krankenhäusern in Dortmund herrscht Kopftuchverbot. Dort erwartet man Toleranz - auch von den Muslimen.

Dortmund. Jetzt meldeten sich auch andere konfessionelle Träger, nachdem diese Redaktion vor zwei Tagen mehrere Anfragen gestellt hatte.Die Evangelische Stiftung Volmarstein, zu der in Dortmund die beiden evangelischen Krankenhäuser in Lütgendortmund und Hörde (Bethanien) gehören, habe schon seit Jahren eine klare Regelung zu diesem Thema, heißt es aus der Geschäftsführung.

Das Tragen von Kopftüchern werde als Bekenntnisorientierung abgelehnt. "Unsere muslimischen Mitarbeiterinnen halten sich an diese Regel. Wir suchen immer das direkte Gespräch und hatten bisher in dieser Angelegenheit keine Probleme", sagt Stiftungs-Sprecherin Astrid Nonn.

Johannes-Gesellschaft: "Würden Kündigung sofort zurücknehmen"

Probleme hatte auch das St.-Johannes-Hospital mit der Krankenschwester viele Jahre nicht gehabt, die jetzt vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung klagt. Seit 1999 arbeitete die heute 36-jährige zweifache Mutter, eine Marokkanerin, am Haus. Ein Kopftuch trug sie erst - trotz Verbots am Johannes-Hospital - nach der Rückkehr aus ihrer Elternzeit. "Aus religiösen Gründen" gab sie auf Nachfrage an. Der Gütetermin vor Gericht ist am 1. August. Laut Günther Nierhoff, Geschäftsführer der St.-Johannes-Gesellschaft, trage ein Drittel der Krankenpflegeschülerinnen Kopftuch, aber alle erst nach Dienstschluss. "Wenn uns die Mitarbeiterin sagt, sie trage ihr Kopftuch nicht im Dienst, nehmen wir die Kündigung sofort zurück." Auch bei Tragen eines Turbans im Dienst würde die Johannes-Gesellschaft die gleichen Maßstäbe ansetzen.

Mehr Toleranz in alle Richtungen gewünscht

Insgesamt für mehr Toleranz wirbt Clemens Galuschka, Geschäftsführer der Katholischen St.-Lukas-Gesellschaft, zu der in Dortmund das St.-Josefs-Hospital in Hörde und das Katholische Krankenhaus West in Kirchlinde gehören. Galuschka meint Toleranz in jede Richtung, denn er sagt: "Das ist auch eine Frage, wie tolerant wir als konfessioneller Träger sein dürfen, und was wir uns gefallen lassen müssen." Er habe schon erlebt, dass muslimische Besucher Kreuze, die in Patientenzimmern hingen, aus den Fenstern warfen.

Ulrike Böhm-Heffels