Kontroverse um den Abflug von Air Berlin am Flughafen Dortmund

Frank Bußmann
Air Berlin gibt den Standort Dortmund auf - welche Konsequenzen hat das? Foto: Knut Vahlensieck
Air Berlin gibt den Standort Dortmund auf - welche Konsequenzen hat das? Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Nach dem angekündigten Abflug von Air Berlin vom Flughafen Dortmund streiten sich zwei Lager über die Interpretation der Standortaufgabe. Während ProAirport daraus Alarmzeichen ableitet, sagen die Flughafen- Gegner, dass diese Entwicklung absehbar gewesen sei.

Dortmund. Unterschiedliche Schlussfolgerungen werden aus dem Rückzug von Air Berlin gezogen. ProAirport sieht darin ein Alarmzeichen. Für die Flughafen-Gegner war die Entwicklung absehbar. „Wie lange will Dortmund noch tatenlos zusehen, dass eines seiner Vorzeigeunternehmen weiter Schaden nimmt?“, fragt Hans Jörg Hübner, Vorsitzender des Vereins ProAirport.

Bei einem nüchternen Blick auf die Rahmenbedingungen (Betriebszeiten, Länge der Start- und Landebahn) müsse die Feststellung getroffen werden, dass der Flughafen die Anforderungen der Fluggesellschaften schlicht nicht erfülle.

Der Verein ProAirport sieht in dem angekündigten Rückzug von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft ein Alarmzeichen für die Zukunft des Flughafens, aber auch für die Zukunft einer ganzen Region. Vor allem der Verlust der Anbindung ans Drehkreuz Mallorca sei bitter. So sieht es auch die IHK Dortmund. „Die Rahmenbedingungen des Flughafens müssen verbessert werden. Insbesondere ist die Verlängerung der Betriebszeiten für die Fluggesellschaften ein entscheidender Faktor“, so Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz.

Anfang vom Ende

„Für die Beobachter der Luftfahrtbranche ist die Entwicklung am Dortmund „airport21“ absehbar - und es ist erst der Anfang“, so Ursula Wirtz von der Schutzgemeinschaft Fluglärm.

Da seien die Scheuklappen, die die Befürworter aus Politik und Wirtschaftsvertretung trügen, wenig hilfreich. Ganz im Gegenteil, so Ursula Wirtz, verhindern sie nämlich den unverstellten Blick auf die Lawine, die ins Rollen gekommen ist. Wirtz: „Und wir wissen, vor der Lawinengefahr kann man warnen – verhindern kann man sie nicht.“

CDU Ortsunion Aplerbeck gespalten

„Fakt ist: Trotz ausgeweiteter Betriebszeiten wendet sich Air Berlin vom Standort Dortmund ab. Die bislang eingeleiteten Maßnahmen haben ihr Ziel offensichtlich erst einmal verfehlt“, sagt Benedikt Penning, Vorsitzender der CDU Ortsunion Aplerbeck. Ergänzend fügt er hinzu: „In Bezug auf die Flugbewegungen ist der Rückzug der Fluggesellschaft aus Sicht der lärmgeplagten Aplerbecker Bürger und meiner Partei vor Ort nur positiv. Für das operative Geschäft ist der Rückzug jedoch ein herber Rückschlag.“

Die Aplerbecker Christdemokraten verweisen auf den Umstand, dass sich die Situation rund um den Flughafen grundlegend geändert hat. Penning, ebenfalls Ratsvertreter, erläutert: „Der Rat der Stadt Dortmund hat beschlossen, den verlustreichen Flughafen im Jahre 2015 einer betriebswirtschaftlichen Prüfung zu unterziehen. Allerdings steht das Gutachten, das dem Ratsbeschluss 2010 zu Grunde lag, nun unter Druck: Die dortigen Zahlen basierten nämlich auf steigenden Passagierzahlen. Nach dem Rückzug Air Berlins ist damit kaum noch zu rechnen.“

André Krause, stellvertretender Vorsitzender der CDU in Aplerbeck, erklärt abschließend: „Wir sehen zudem die Abhängigkeit des Dortmunder Flughafens von Billig-Airlines weiterhin sehr kritisch. Es ist denkbar, dass auch diese Fluggesellschaften von heute auf morgen aus unserer Stadt verschwinden. Dann gehen am Flughafen aus wirtschaftlicher Sicht endgültig die Lichter aus.“