Kiosk statt Mensa: 6000 Berufsschüler im Neubau ohne Kantine

Foto: Oskar Neubauer
Es ist einer der größten Schul-Neubauten Deutschlands – aber eine Mensa gibt's nicht: Für die 6000 Dortmunder Schüler ist ein Bistro-Kiosk geplant.

Dortmund.. Einer der größten Schul-Neubauten Deutschlands nimmt nach den Osterferien neben dem Dortmunder U den Betrieb auf. Die Gebäude sind in Gestaltung und Ausstattung zukunftsweisend. Eine Mensa ist allerdings für die mehr als 6000 Schüler und 240 Lehrer nicht vorgesehen.

Riesen-Schulcampus ab Ostern am Dortmunder U

Die auf 20 000 Quadratmetern errichteten Neubauten für das Robert-Schuman- und das Robert-Bosch-Berufskolleg bilden einen riesigen Schulcampus und mit U-Turm und Kreativzentrum ein beeindruckendes Gesamtbild. Die Versorgungslage allerdings ist weniger großzügig: Bei 52 000 Quadratmetern Fläche wurde für das Essen- und Getränkeangebot nur ein Kiosk im Foyer eingeplant.

Dieses Schmalspur-Programm führte von Anfang an zu Magengrummeln. So wurde aus dem Kiosk inzwischen ein Bistro, das auch warme Kleinigkeiten und bis zu 100 Sitzplätze vorhalten soll. Als Kantinenersatz hatte die Verwaltung bereits in der frühen Planungsphase vorgeschlagen, ein Angebot im benachbarten FZW einzuräumen. Diese Idee lehnten jetzt aber beide Schulkonferenzen ab.

BIG-Kantine als Alternative – aber ohne Kapazitäten

Eine Alternative fand die Schulverwaltung daraufhin auf der anderen Seite des U-Turms: Die Kantine der BIG-Krankenkasse soll die Berufsschüler mitversorgen. "Das wäre grundsätzlich möglich, die Kantine ist öffentlich", berichtete Martina Raddatz-Nowack, Leiter des Fachbereichs Schule, im Schulausschuss. Eine Anfrage ist aber weder bei der BIG noch beim Betreiber Wisag bekannt, wie BIG-Sprecherin Bettina Kiwitt herausfand.

Die Gastronomie dort dürfte auch schnell an ihre Grenzen geraten. Aktuell werden dort etwa 200 Essen pro Tag ausgegeben. Peter Kaetsch, Vorstandsvorsitzender BIG, sagt: "Die Kantine wurde in erster Linie eingerichtet, um die rund 600 BIG-Mitarbeiter am Standort Dortmund zu verpflegen. Darauf wurden die Kapazitäten ausgerichtet." Marcel Charrier, Regionalleiter Wisag, ergänzt: "Für uns stehen die Qualität des Angebots und die Zufriedenheit unserer Kunden an erster Stelle."

Dies aufrechtzuerhalten, wäre sicherlich schwierig, selbst wenn der Hunger nur einen Bruchteil der 6000 Schüler in die BIG-Kantine treiben würde. Viele besuchen die Schule nur an einem oder zwei Tagen pro Woche. Die 20-Minuten-Pausen erlauben ihnen aber ohnehin keine großen Essensausflüge. Eine üppigere Mittagspause wurde dennoch abgelehnt. "Die Beteiligten finden das Angebot ausreichend", erklärt Rolf Janßen, Schulleiter des Robert-Schuman-Kollegs. "Sie wollen keine Verlängerung des Tages." Das Robert-Bosch startete sogar eine Befragung zum Thema: 18 Prozent der Schüler und 28 Prozent der Lehrer lehnten eine Pausenerweiterung ab

Schulleiter: Mensa wäre schön gewesen

"Wir hätten eine eigene Mensa begrüßt", sagt Markus Herber, stellvertretender Schulleiter. Auch, um das Ernährungsangebot mit zu beeinflussen. Dieses Thema ist vom Tisch. Trotzdem freuen sich alle auf den Umzug. Nach den Osterferien startet der Betrieb am neuen Standort. "Die mediale Ausstattung ist auf dem aktuellen Stand, die Fachräume erfüllen alle Standards und auch der Wohlfühlfaktor stimmt", sagt Herber. Auch Janßen betont die Attraktivität des neue Komplexes: "Der Platz wird schon jetzt sehr gut angenommen."

 
 

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