Kinderschänder steht vor erneuter Sicherungsverwahrung

Am Donnerstag, 29. Dezember 2011, beginnt der Prozess gegen den Sexualstraftäter Heinrich K., der ein Mädchen in einer Tiefgarage missbraucht haben soll. Der Angeklagte war in Sicherungsverwahrung und hatte eine Wohnung in Dortmund. Foto: Franz Luthe
Am Donnerstag, 29. Dezember 2011, beginnt der Prozess gegen den Sexualstraftäter Heinrich K., der ein Mädchen in einer Tiefgarage missbraucht haben soll. Der Angeklagte war in Sicherungsverwahrung und hatte eine Wohnung in Dortmund. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe
Sicherungsverwahrung die Zweite: Der Sexualstraftäter Heinrich K. wird wohl nach seinem Missbrauchsgeständnis erneut in Sicherungsverwahrung genommen. Polizei und Therapeuten hielten den Mann zuvor irrtümlich für resozialisiert.

Dortmund.. Fünf Wachtmeister eilen in Richtung Saal 129 des Landgerichtes. Nicht, weil hier mit Heinrich K. ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter auf der Anklagebank sitzt. Es geht um die Zuschauer: Rund 15 Neonazis, die den Prozess gegen den ehemaligen Sicherungsverwahrten verfolgen. Vor der Verhandlung verteilten sie auf der Straße Zettel mit dem unsäglichen Text „Todesstrafe für Kinderschänder.“

Heinrich K. bekommt von der Menschentraube, die da in den Saal strömt, nicht viel mit. Er hält sich einen Aktendeckel vor das Gesicht, schützt sich vor dem Blitzlichtgewitter der Fotografen, vor den auf ihn gerichteten Filmkameras. Heinrich K. ist nicht irgendein Sexualstraftäter.

K. galt als ungefährlich

Heinrich K. ist die Personifizierung eines Irrtums: Des Irrtums von Polizei und Therapeuten. Sie wähnten den Mann als resozialisiert, als ungefährlich für die Gesellschaft. Deshalb wurde die rund um die Uhr Bewachung des 49-Jährigen nach drei Monaten abgestellt. Einen Monat später, am 26. Januar 2011, lockte der 49-Jährige ein siebenjähriges Mädchen in eine Tiefgarage.

Die Anklage, die Staatsanwältin Barbara Rößler verliest, ist kurz. Entscheidend ist der letzte Satz: Im Falle einer Verurteilung wird die anschließende Sicherungsverwahrung beantragt. Und dass Heinrich K. verurteilt wird, ist mehr als wahrscheinlich: Sein Verteidiger Rechtsanwalt Alfons Becker ließ wissen, dass sein Mandant „die Vorwürfe im vollen Umfang einräumt“. Und dass „Herr K. die Tat bedauert und sich bei dem Kind und den Eltern entschuldigen möchte“.

Schleppende Ermittlungen

Somit steht fest: Am Nachmittag des 26. Januar 2011 sprach der mehrfach vorbestrafte Mann das Kind auf der Märkischen Straße an, lockte es in die Tiefgarage am Hauptzollamt und missbrauchte es dort.

Danach lief das Mädchen verstört nach Hause. Die Ermittlungen verliefen zunächst etwas schleppend , wie Rechtsanwältin Henriette Lyndian, die die Interessen des Mädchens vertritt, erklärte. So habe sich die Polizei den Tatort erst auf ausdrücklichen Nachdruck der Eltern angesehen. Damals wurden auch DNA-Spuren des Täters, die bei dem Kind zurück blieben, zum LKA nach Düsseldorf geschickt. Jedoch sei dies mitnichten Teil eines „Geschäftes“ mit der Polizei gewesen, um im Gegenzug die Dienstaufsichtsbeschwerde zurückzuziehen. Sieben Monate später meldete die Datenbank einen Treffer: Der Mann wurde im Juli festgenommen.

Wichtig sei, so Anwältin Henriette Lyndian, dass dem Kind durch das Geständnis die Aussage vor Gericht erspart werde. „Die Aufarbeitung einer Tat ist in erster Linie, in ein normales Leben zurückzukehren. Dabei ist die Familie wichtiger Rückzugsort.“ Am 13. Januar wird der Prozess fortgesetzt.

 
 

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