Kind erlitt laut Anklage jahrelange Qualen

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. Was in den vier Wänden dieser Familie geschah, ist unvorstellbar: Alle vier Kinder hat das Jugendamt inzwischen herausgeholt: Ein Säugling kam mit gebrochenen Rippen in die Kinderklinik, ein älteres Mädchen hatte rote Striemen am Körper. Das Schicksal ihrer Halbschwester beschäftigt seit Dienstag das Dortmunder Landgericht: Acht Jahre lang soll sich der Stiefvater an dem Mädchen vergangen haben.

Staatsanwältin Heike Sudhaus Coenen wirft dem 36-Jährigen vor der 31. Großen Strafkammer schweren sexuellen Missbrauch in 532 Fällen vor. Die heute 16-Jährige war bei den angeklagten Übergriffen sechs bis 14 Jahre alt. Und: In einem medizinischen Gutachten ist von „massivem Geschlechtsverkehr ab dem elften Lebensjahr“ die Rede.

„Damit habe ich nichts zu tun“

Grauenvolle Taten, die der stämmige Mann in dem weißen Kapuzenpulli vehement abstreitet. „Damit habe ich nichts zu tun.“ Ein Prozess, der an die Nieren geht. Und der dauern wird, wie der Vorsitzende Richter Ulf Pennig ankündigte: „Wir werden eine Menge Zeugen hören.“ Auch der heute 16-Jährigen bleibt eine Aussage vor Gericht nicht erspart. Sicherlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wahrscheinlich wird auch der Angeklagte den Saal am nächsten Verhandlungstag verlassen müssen.

Das Mädchen lebte ein halbes Jahr in seiner neuen Pflegefamilie, da vertraute es sich einer Freundin an. Der Angeklagte, der mit seiner Familie erst in der Nordstadt, dann in Schwerte und schließlich in Marten lebte, behauptet, die Anzeige sei ein Racheakt: Als er dem Mädchen verboten habe, per Interspiel Kontakt zu einem Mann aufzunehmen, sei sie „sehr erbost“ gewesen.

„Meine Frau macht sich keine Vorwürfe“

Auf die Frage der Staatsanwältin, wie denn das eindeutige medizinische Gutachten zu erklären sei, zuckt er nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Sie war oft bei Freundinnen, am Wochenende auch mal bei der Oma.“ Und er sagt noch mehr: „Mein Bekannter Jens kam damals zu uns, erzählte von Problemen mit seiner Tochter. Die hatte ihn zu Unrecht wegen Missbrauchs beschuldigt, das hat ihn ziemlich fertig gemacht.“ Diese Gespräche, so seine Version, hätte seine Stieftochter mitbekommen...

Das Strafverfahren gegen den Angeklagten und seine Ehefrau wegen Misshandlung des Babys ist vor Jahren eingestellt worden: Wer von beiden für welche Verletzung verantwortlich war, ließ sich nicht ermitteln. „Meine Frau macht sich keine Vorwürfe, dass ihr die Kinder weggenommen wurden.“ Auch die jetzt angeklagten Taten sollen in der gemeinsamen Wohnung passiert sein.

 
 

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