Kein Prozess um tödlichen Bungee-Sprung in Dortmund gegen Jochen Schweizer

Jochen Schweizer bei der Eröffnung der Bungee-Anlage am Florianturm im Westfalenpark. Foto: Luthe
Jochen Schweizer bei der Eröffnung der Bungee-Anlage am Florianturm im Westfalenpark. Foto: Luthe
Foto: WR

Dortmund.. Über sieben Jahre ist es her, dass ein 31-Jähriger unter den Augen seiner Freundin in den Tod stürzte. Jochen Schweizer, Betreiber der abgebauten Bungee-Anlage am Florian, muss sich jedoch nicht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. „Das Verfahren wurde unter Zustimmung von Staatsanwaltschaft, Angeklagten und auch der Hinterbliebenen des Opfers eingestellt“, erklärte Pressedezernent Dr. Gerhard Breuer.

Event-Manager Schweizer hat bereits 40.000 Euro an die Familie jenes Mannes aus Mommenheim gezahlt, der den Wunsch nach dem ultimativen Kick mit seinem Leben bezahlt hat. Zudem flossen auf speziellen Wunsch der Eltern des Toten zusätzlich 15.000 Euro an ein Kinderhospiz im sauerländischen Olpe. Schweizer trägt zudem die angefallenen Gerichtskosten in Höhe von 35.000 Euro.

Bereits für 24. Februar terminiert

Warum das Verfahren, das bereits für den 24. Februar terminiert war, letztlich auf diese Weise zu Ende ging: Die Frage, ob Jochen Schweizer als Betreiber der Anlage das Seil hätte verwenden können, blieb nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Dr. Rolf Mattern auch sieben Jahre nach dem furchtbaren Vorfall im Westfalenpark offen.

Auch das Ergänzungsgutachten des Sachverständigen Dr. Bernd Fago aus dem renommierten Ingenierbüro Schimmelpfennig, das vom Gericht zusätzlich in Auftrag gegeben wurde, sei nicht dazu geeignet, die wichtigste Frage zu klären: War das Seil fehlerhaft?

Lange Ungewissheit

Sieben Jahre hat die Familie des Opfers mit der Ungewissheit leben müssen, nicht zu wissen, was an jenem Tag passiert ist. Auch die Freundin wird ihn nie vergessen, diesen grauenvollen 20. Juli 2003, auf den sich ihr Freund so sehr gefreut hat, der ein ganz besonderer Tag werden sollte. Wahrscheinlich ist, dass sie am Prozesstag als Zeugin hätte aussagen müssen. Noch einmal hätte sie sich zwingen müssen, jene Sekunden vor Augen zu haben – dazu in einem Gerichtssaal.

Doch auch Jochen Schweizer als Angeklagter hat sieben Jahre unter dem Druck des Verfahrens gelitten. Die Verfahrensdauer ist ihm nicht anzulasten, nach unserer Rechtsprechung hätte sie sich sogar erheblich strafmildernd ausgewirkt. Und: Dass der Prozess mit einem Freispruch geendet hätte – völlig ausgeschlossen ist es nicht.

Erster tödlicher Bungee-Sprung

Schweizer gilt als einer der Pioniere des Bungee-Springens in Deutschland. Es handelte sich damals um den bundesweit ersten tödlichen Zwischenfall beim Bungee-Springen.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen