Kantine von Envio-Nachbar ABP verseucht

Klaus Brandt
Auch die ABP-Kantine ist mit PCB verseucht. Sie wurde sofort geschlossen. Foto: Franz Luthe
Auch die ABP-Kantine ist mit PCB verseucht. Sie wurde sofort geschlossen. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Gift-Alarm am Essenstisch: Auch die Kantine der Envio-Nachbarfirma ABP Induction Systems ist mit krebserregendem PCB verseucht. Seit einer Woche ist sie dicht. Überraschend stoppte Envio die Reinigung des verseuchten Betriebsgeländes. Die Frage, ob die Giftfirma finanziell am Ende ist, blieb unbeantwortet.

Rund 300 Besucher, die wöchentlich in der ABP-Kantine frühstückten und zu Mittag aßen, fragen sich nun, wie gesund die Mahlzeiten wohl waren. Neben den 170 ABP-Mitarbeitern schätzten auch Beschäftigte der Firmen Gimatec, Kolk und Envio das Speisenangebot. „Selbst Envio-Chef Dr. Dirk Neupert und sein neuer Anwalt haben bei uns gegessen“, berichtet Monika Scheider, die mit drei Kolleginnen die Küche schmiss. Seit letzten Mittwoch bleibt sie kalt – „völlig überraschend“ für ABP-Sprecher Martin Maas. „Was wird aus uns“, fragen sich die Damen am Herd.

Die nachgewiesenen Giftmengen sind nicht appetitlich. Im Hausstaub der Kantine liegen die PCB-Konzentrationen bei rund 195 Milligramm pro Kilo – und damit um das Vierfache über dem Grenzwert für die Abfallentsorgung. Durch die Raumluft schwirren 900 Nanogramm PCB pro Kubikmeter – dreimal mehr als verträglich.

Tägliches Wischen

ABP hatte sich im Zuge einer Rundumbeprobung der Betriebsgebäude im Juni auf die Bezirksregierung in Arnsberg verlassen, die den Gutachter bestellte. Der habe die Kantine für nicht untersuchungswürdig gehalten, erinnert sich Firmensprecher Maas: „Damals hieß es, dort werde ja täglich gewischt.“ Die Bezirksregierung Arnsberg bestätigt das. „Im ersten Anlauf haben wir die Kantine nicht unter die Lupe genommen“, sagt Sprecher Christoph Söbbeler. „Man konnte nicht davon ausgehen, dass sich in einem solchen Raum PCB befindet, da dort nicht mit diesem Material gearbeitet wird.“

Jetzt hatte die Firma WISAG, die im Auftrag der Envio Grundbesitz GmbH das Gebäudemanagement am Standort Kanalstraße regelt, ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Als die bedrückenden Ergebnisse Mittwochabend vorlagen, wurde die Kantine sofort geschlossen. „Wir sind nicht begeistert“, beschreibt Maas die Stimmung bei der Firma ABP.

Keine Erklärung

Die Ursache der PCB-Verseuchung ist Arnsberg unklar. „Es gibt keine schlüssige Erklärung“, sagt Söbbeler. Einerseits könnte verbautes Material belastet gewesen sein, andererseits seien auch Verwehungen von Außenbereichen denkbar. „Bis auf Weiteres ist die Kantine jedenfalls nicht zu benutzen.“ Vier bis sechs Wochen Fastenzeit hält ABP für realistisch. Solange der Speisesaal geschlossen ist, weichen Mitarbeiter zur EDG aus. Deren Kantine wird – ebenso wie die von ABP – vom Catering-Dienstleister „Menü 2000“ in Papenburg bewirtschaftet. Dessen Pressebeauftragter schmeckte das Gift in der Küche gestern gar nicht. „Keine Auskünfte“, hieß es am Telefon.

Das Thema kochte noch, da sorgte Envio für einen neuen Knalleffekt. Die Giftfirma stoppte am Mittwoch die Sanierung der Außenflächen. Weil die Arbeiten längst noch nicht abgeschlossen sind, kamen gleich Zweifel über die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens auf. Auf WR-Anfrage blieb Envio zunächst stumm. Am Abend dann der Hinweis: Neben 1,5 Millionen Euro Sicherheitsleistung könne man nicht auch noch die Sanierung finanzieren. Bezirksregierung und Stadt springen jetzt ein. Die Chancen, das vorgestreckte Geld wiederzubekommen, mag Stadtsprecher Udo Bullerdieck nicht bewerten.

Sicher ist: Die Reinigung des Außengeländes dauert nun noch länger. Sie soll möglichst Ende nächster Woche abgeschlossen sein, hoffen Bezirksregierung und Stadt.