Kandidaten-Monopoly bei der Dortmunder SPD

SPD-MdB Marco Bülow (links/hier mit Franz-Josef Drabig) könnte Konkurrenz bekommen.
SPD-MdB Marco Bülow (links/hier mit Franz-Josef Drabig) könnte Konkurrenz bekommen.
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund. Nach der Ankündigung der Dortmunder Bundestagsabgeordneten Ulla Burchardt (SPD), bei der Wahl 2013 nicht mehr anzutreten, hat bei den Sozialdemokraten das Kandidaten-Monopoly begonnen.

Während potenzielle Aspiranten für Burchardts Nachfolge im Wahlkreis 144 (er umfasst die östlichen Stadtbezirke sowie Hörde und Aplerbeck) in Deckung bleiben, muss sich Burchardts Parteifreund und Berlin-Fahrer Marco Bülow (40) im Wahlkreis 143 auf wenigstens einen Gegenkandidaten gefasst machen: Dirk Goosmann (39), Fraktionsmitglied im Rat der Stadt, meldet Ambitionen an und will Bülow in Berlin ablösen.

Er sei bereits vor eineinhalb Jahren angesprochen worden, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könne, sagte Goosmann auf Anfrage unserer Zeitung. Er habe lange überlegt und nun entschieden, „Ja“ zu sagen. „Ein Bundestagsmandat verleiht mehr Gestaltungskraft als ein kommunales Mandat für den Rat, das reizt mich an der Aufgabe.“ Seit 2004 sitzt der Rechtsanwalt aus Kirchlinde für die Genossen im Stadtparlament - erst als kulturpolitischer, dann als ordnungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Welche Chancen er sich als Herausforderer von Parteifreund Marco Bülow verspreche? Goosmann: „Das werden die Mitglieder entscheiden.“

Wenn es denn überhaupt zum Kräftemessen mit Marco Bülow kommt. Der wurde 2002 mit 31 Jahren als einer der jüngsten Abgeordneten mit Direktmandat in den Bundestag gewählt und konnte seinen Wahlkreis zuletzt mit 41,2 Prozent der Stimmen verteidigen. Dennoch ist Bülow in der eigenen Partei nicht unumstritten. Mit seinem kritischen Buch über das Abgeordneten-Dasein („Wir Abnicker“) hat sich Bülow, der dem linken Flügel zugerechnet wird, nicht nur Freunde gemacht. Und eine eindeutige Erklärung, ob er 2013 erneut kandidiert, mochte Bülow gestern auf Anfrage nicht geben. „Im Augenblick“ spreche nichts dagegen. „Sollte es einen Gegenkandidaten geben, würde mich das nur weiter anspornen.“ Auf der anderen Seite aber habe er stets gesagt, „dass ich das nicht bis zum Rentenalter machen will“. Bis 2012 wolle er sich Zeit lassen mit seiner Entscheidung, sagt Bülow. „Dabei werde ich natürlich meine familiäre Situation berücksichtigen und sehen, wie sich die Partei insgesamt aufstellt.“

Da kann noch manche Überraschung warten. Auch im Wahlkreis von Burchardt. Schon wird spekuliert, ihren Platz könnte die stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete Nadja Lüders einnehmen - die aber enthält sich jeden Kommentars. Das letzte Wort hat der Parteitag. Allerdings schwebt SPD-Chef Franz-Josef Drabig vor, zuvor das Parteivolk abstimmen zu lassen. „Wir werden ein transparentes Verfahren mit starker Beteiligung der Mitglieder haben.“ An eine schriftliche Abstimmung wie bei der OB-Kandidatur zwischen Jörg Stüdemann und Ullrich Sierau denkt Drabig aber nicht. „Zu teuer.“