„Kaffeefahrt“ mit neuer Masche

Anja Schröder
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Dortmund.  Die berühmten Kaffeefahrten – für die meisten Senioren inzwischen kalter Kaffee. Die neue Masche der Werbeverkaufsfahrten-Anbieter: Computer statt Heizdecken. Und wieder wird die Generation 60+ durch den Kakao gezogen – eine bittere Abzocke.

Heizdecken? Damit sind Senioren von heute nicht mehr hinterm Ofen hervorzulocken. Die meisten haben begriffen, dass die „kostenlosen Ausflugsfahrten“ meistens in einer drittklassigen Klitsche enden, wo ihnen minderwertige Ware für teures Geld aufgeschwatzt wird. Oma und Opa sind nicht auf den Kopf gefallen, im Gegenteil. Sie gehören zu einer Verbrauchergruppe, die versucht, sich an die modernen Kommunikationsmittel der Gesellschaft anzupassen. Meist noch zögerlich. Da kommt das Angebot der Seniordata GmbH, Technik für Senioren, Berlin, gerade recht: Der „Computer 60 +, Weltneuheit und enorme Hilfe, erstmals auf der IFA 2011 in Berlin vorgestellt“: Ab September, so das Schreiben an Herrn Schmidt, Frau Müller und ihre Altersgenossen, soll er im Handel für 1399 Euro zu haben sein.

Aber vor dem Fachhandel kommt der Verbraucher! 2500 dieser Computer sollen in Deutschland kostenlos verteilt werden. Schließlich seien die Erfahrungswerte wichtig. Und jetzt kommt das Beste: Denn natürlich hat das Los wieder den Herrn Schmidt, die Frau Müller etc. getroffen. Sie dürfen „dabei sein“, bei der persönlichen Übergabe.

Computer und Essen für drei Euro

So hangelt sich das Werbeschreiben nach den üblichen Kriterien, die den Empfänger glauben lassen, er sei ein Gewinner, bis zur Einladung vor: Ein Fachreferent des Hauses werde den Computer 60+ persönlich erklären. „Kurzweilige Information“, „kostenloses Mittagessen“ und im Anschluss eine „kostenlose Ausflugsfahrt ins schöne Münsterland“ – das alles für drei Euro Buchungsgebühr. Und die Adresse. Nicht zu vergessen der Hinweis, dass es sich hierbei eben nicht um eine sogenannte Kaffeefahrt handele...

Das mag stimmen. Den Kaffee schenken sich die Organisatoren vermutlich. Tatsache ist aber auch, dass es sich bei den Computern, die sie angeblich verschenken wollen, den „Premium-Präsenten“, um so etwas wie Mini-Netbooks handelt. Ein 7 Zoll-Bildschirm ist eine bessere Briefmarke und ein Computer mit den angegebenen Leistungsdaten inzwischen deutlich unter 100 Euro erhältlich. Ganz bestimmt sind diese abgebildeten „Computer für die Generation 60+“ nicht seniorentauglich.

Polizist soll mitfahren

Wäre es nicht mal angebracht, dass ein Polizist bei einer solchen Fahrt dabei ist, und diesen Verbrechern das Handwerk an Ort und Stelle legt? fragt Hans-Dieter Ehlert, bei dem das Schreiben im Papierkorb gelandet ist. Das wird schwierig: Das Kleingedruckte in den Schreiben ist meistens so verklausuliert, dass oberflächlich der Eindruck entsteht, es handele sich um einen Gewinn. Tatsächlich aber geht es nur um „eine Chance“ oder Ähnliches.

„Mit ihrer Gewinnspielmasche wollen sich die meisten Gewinnspielfirmen denn auch nicht beim Wort nehmen lassen, sondern speisen ihre Adressaten allenfalls mit minderwertigen Trostpreisen ab“, warnt Helene Schulte-Bories von der Verbraucherzentrale in Dortmund. Die Computer-Masche zieht übrigens gerade nicht nur im Raum Dortmund, sondern auch in Deutschlands Osten.

Übrigens: Die IFA 2011, auf der der Computer 60+ angeblich schon vorgestellt wurde, findet erst am 2. September in Berlin statt.