Jugendamt prüfte Rechnungen nicht — 111.000 Euro zu viel gezahlt

Das Jugendamt der Stadt Dortmund am Ostwall
Das Jugendamt der Stadt Dortmund am Ostwall
Foto: WAZ-Fotopool
Schon wieder ein Fehler im Jugendamt: Das Amt hat dem Jugendhilfe-Zentrum "St. Vincenz" zu Unrecht rund 111.000 Euro für Heimpflegekosten gezahlt. Darauf sind die städtischen Rechnungsprüfer gestoßen. Nach der "Kostenexplosion" nehmen die Prüfer das Jugendamt derzeit genau unter sie Lupe.

Dortmund. Wohin die städtischen Rechnungsprüfer beim Jugendamt auf der Suche nach einer Erklärung für die Kostenexplosionen auch stochern, sie finden immer etwas: Das Jugendamt hat dem katholischen St.-Vincenz-Jugendhilfe-Zentrum zwischen 2008 und 2011 für Heimpflegekosten 111.363 Euro zu Unrecht gezahlt.

Das geht aus einer Unterlage für den Rechnungsprüfungsausschuss des Rates hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Und die Revisoren gehen davon aus, dass es bei der St.-Vincenz-Jugendhilfe "in weiteren Fällen zu Überzahlungen gekommen ist".

Statt genauer Abrechnung gab's monatliche Abschläge

Seit mindestens zehn Jahren wurden Rechnungen des Vincenz-Heims ausschließlich über monatliche Abschlagszahlungen beglichen. Nur einmal im Jahr sollte spitz abgerechnet werden. Was aber, so vermuten die Rechnungsprüfer, seit mindestens dem Jahr 2003 nicht mehr geschehen ist. Erst seit Juli 2010 wurde die Abrechnung auf Einzelrechnungen pro Betreuungsfall umgestellt.

Nachforderungen nicht richtig geprüft

Bei Nachforderungen, die das St.-Vincenz-Jugendhilfe-Zentrum nach Ablauf des jeweiligen Jahres geltend gemacht hatte, wurden weitere Abschläge gezahlt, "ohne dass eine ernsthafte Auseinandersetzung des Jugendamtes mit diesen Forderungen erkennbar gewesen wäre", teilen die Revisoren mit.

Die neue Leitung des Jugendamtes will offene Fragen klären und gegebenenfalls Geld zurückfordern. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass mit den übrigen vier großen Trägern von Heimplätzen spitz abgerechnet worden sei.

Heim-Kinder an Pflegefamilien weitergereicht?

Im Rechnungsprüfungsausschuss hatte Reinhard Frank (CDU) zu Protokoll gegeben, er habe einen Hinweis, dass ein Heimträger in Obhut genommene Kinder an Pflegefamilien weitergebe. Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp erklärte, das gebe es nicht und würde "gegen die Statuten" verstoßen.

Der Tagessatz, der für die Heimunterbringung gezahlt wird, ist fast dreimal so hoch wie für eine Pflegefamilie. Frank am Montag: "Sollte sich das bewahrheiten, dass die Träger doch Kinder weitergeben, dann wäre das vermutlich eine Sache für die Staatsanwaltschaft."

 
 

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