Jugend als Baustelle - die coole Schau

Ausstellung inter-cool 3.0 - Jugend-Bild-Medien im Dortmunder U
Ausstellung inter-cool 3.0 - Jugend-Bild-Medien im Dortmunder U
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Die Jugend als Baustelle, ein Zwischenzustand – für die „inter-cool 3.0“ zum Thema Jugendkultur hätte es keinen besseren Ort geben können als das unfertige Dortmunder U.

Die bisher umfangreichste Kunstausstellung im neuen Zentrum für Kunst und Kreativität führt in die dritte Etage. Ist die Tür zu, kann man den Lärm der Bohrer, Schleifer und Schweißer weitesgehend draußen lassen. Das Publikum, das die aufwändig gemachte und interaktive Schau besuchen soll, wird ein paar Dezibel mehr ohnehin nicht stören. Jugendliche dürften hier in ihrem Element sein. Der Shell-Studie über die Befindlichkeiten der deutschen Jugend zum Trotz, für die Ausstellungsmacherin Prof. Dr. Birgit Richard im Übrigen nicht viel übrig hat, weil sie viel zu einseitig sei, zeigen ab heute 70 renommierte Medienkünstler gemeinsam mit Jugendlichen, die sich erstmals mit ihrer Kunst an einer öffentlichen Schau beteiligen, was Teens und Twens wirklich umtreibt. Es sind jugendliche verletzbare Lebenswelten zwischen Angst und Sinnsuche, Gothics oder Pfadfindern, Gangster-Rap, Grime, Cosplay und Bling Bling. Das ist der fette Schmuck der Gangster-Rapper. Kann man auch in der Nordstadt manchmal sehen.

Was erwartet die Kids?

Bildende Kunst, klar, aber eine, in der auschließlich sie das Thema sind oder die von ihnen selbst gemacht ist. Viele Foto-Arbeiten sind dabei, ausdrucksstarke Jugendporträts aus der ganzen Welt, noch mehr Video-Geschichten, auch Zeichnungen, ein bisschen Malerei. Es geht um Stil, um die Kretaivität von Jugendlichen in all ihren Facetten, sagt Dr. Birgit Richard, die sich als Kunst-Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt den Schwerpunkt Jugendforschung gesetzt hat. Und in einem der drei Teile der Ausstellung Exponate ihres privaten Jugendkulturarchivs beisteuert: Lieblingsteile oder auch Hassobjekte von Jugendlichen, je nachdem, welchen Style sie pflegen. Techno-Klamotten hängen auf Bügeln, im Regal stehen Buffalos, das komplette Hip-Hop-Sortiment liegt aus, Heavy-Metal-Fankluften oder Plüsch-Stulpen aus früheren damals noch lustig-fröhlichen Loveparade-Zeiten sind greifbar. Der dritte Baustein der Schau ist die „Bastel-Arena“, in der Jugendliche - vor allem mit neuen Medien - selbst kreativ sein können. Zum Beispiel Figuren zeichnen und sie über einen umgebauten Kopierer animieren und an die Decke beamen. Wer Lust hat, kreiert sich eine abgefahrene Metal-Kutte oder designt coole Chucks, setzt Körperbilder neu zusammen oder klinkt sich in Video-Projekte ein. Die neue Ausstellungsarchitektur grenzt die einzelnen Bereiche nicht ab, sondern schafft Raum. Holz-Module in Neon-Gelb sind mal Sitzecke, Game-Konsole, einfach nur Kuben oder Video-Boards.

Die Idee zur „inter-cool 0.3“ entstand vor zwei Jahren, als klar war, das „U“ wird Schnittstelle von Kunst und Alltag. Das Projekt wurde in enger Kooperation mit dem Hartware MedienKunstverein Teil des TWINS-Programms. Heißt: Dortmund beteiligte Partnerstädte, über einen Webblog kamen Jugendliche aus Europa dazu. Deshalb geht „inter-cool 0.3“ nach Dortmund auf Reisen. Wien/Österreich, Tampere/Finnland und Leeds/Großbritannien sind erste Auslandsstationen.

 
 

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