Investoren nehmen Sierau ins Visier

Klaus Buske
Die drei kennen sich: Ex-Oberbürgermeisters Dr. Gerhard Langemeyer, RWE-Chef Jürgen Großmann und OB Ullrich Sierau (v.l.). Das Bild entstand im Januar 2009 beim Neujahrsempfang des OB.
Die drei kennen sich: Ex-Oberbürgermeisters Dr. Gerhard Langemeyer, RWE-Chef Jürgen Großmann und OB Ullrich Sierau (v.l.). Das Bild entstand im Januar 2009 beim Neujahrsempfang des OB.
Foto: WAZ

Dortmund. Was in vielen Vorjahren als „Routineangelegenheit“ bei der Hauptversammlung der RWE AG über die Bühne ging, sorgt in diesem Jahr für Sperrfeuer. Das Ziel, das unter anderem Mike Craston von Legal & General (Großbritannien) und Hans-Christoph Hirt, Manager von Hermes Equity Ownership Services (London) ins Visier genommen haben: Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Sierau soll als Nachfolger von Ex-OB Gerhard Langemeyer in den RWE-Aufsichtsrat rücken. So hat es der amtierende RWE-Aufsichtsrat nach Vorarbeit durch dessen Nominierungsausschuss (s. Kasten) den Aktionären für die Hauptversammlung am 20. April vorgeschlagen. Eine überproportionale Repräsentanz der kommunalen Anteilseigner sei dies, so die Kritiker, zu denen auch die Vereinigung institutioneller Privatanleger (VIP) zählt. Bei rund 25 Prozent Kapitalanteil würden kommunale Anteilseigner 40 Prozent der Aufsichtsratsposten der Kapitalseite stellen. Das sei unangemessen.

Ullrich Sierau könnte „nicht genügend Zeit“ für sein RWE-Mandat übrig haben, da er bereits sechs Mandate in anderen Gremien und 50 weitere Aufgaben - so stünde es auf der Ullrich Sierau-Internetseite - neben seinem Amt als OB innehabe, argumentieren nicht nur die Fondsmanager von Legal & General, die auch ein Bündel „möglicher Interessenkonflikte“ orten. Die Kommunen seien nicht nur Anteilseigner, sie seien auch Kunden, Konzessionsgeber und Standortprofiteure. „Die kommunalen Vertreter sind unserer Ansicht nach ... dauerhaft mit einem nicht lösbaren Interessenkonflikt behaftet“, begründet die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) den Gegenantrag zum Wahlvorschlag von Sierau und weiteren kommunalen Vertretern. Sierau, so die DSW, fehle auch die „fachliche Eignung“ zum Aufsichtsposten in dem Stromkonzern.

RWE gibt nur die Erklärung ab, dass man davon ausgehe, dass kein Zweifel daran bestehe, „dass die vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Kandidaten die zur Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und fachlichen Erfahrungen haben.“

Drei Gegenanträge gegen die Wahl Sieraus - und weiterer Kommunalvertreter - liegen zur Hauptversammlung bisher vor. Der Kandidat Sierau selbst gibt zum Verfahren keinerlei offizielle Erklärungen ab, so war gestern auf Anfrage der WAZ aus dem Rathaus zu hören.

Die finanziellen Segnungen des Aufsichtsratsmandats kommen - nach dem jüngsten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig auch höchstrichterlich abgesegnet - übrigens überwiegend der Stadtkasse zu Gute. Bis auf 6000 Euro im Jahr müssen Lokalpolitiker in NRW ihre Nebeneinkünfte an die Kommune weiterreichen. Noch-Aufsichtsratsmitglied Dr. Gerhard Langemeyer muss für seine Zeit als Oberbürgermeister, den Löwenanteil seiner RWE-Einkünfte (fast eine Mio Euro) an die Stadtkasse überweisen. Die Vergütung seit seinem Ausscheiden als OB kann er voll behalten.