In einer Marktlücke fand sie den Erfolg

Susanne Beckmann
Kim Kalkowski ist vegane Unternehmerin und Tierrechtlerin. Im Februar 2011 eröffnete die 27-Jährige im Brück-Center mit dem Vegilicious Veggie Shop den deutschlandweit ersten veganen Supermarkt. Angeschlossen ist ein Café (Bild).
Kim Kalkowski ist vegane Unternehmerin und Tierrechtlerin. Im Februar 2011 eröffnete die 27-Jährige im Brück-Center mit dem Vegilicious Veggie Shop den deutschlandweit ersten veganen Supermarkt. Angeschlossen ist ein Café (Bild).
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund. Nein, Kim Kalkowski möchte nicht die Welt retten. Und auch missionieren liegt ihr fern. Trotzdem passen ihr die jüngsten Skandal-Meldungen wie „Zuviel Antibiotika in Hähnchen“ gut ins Geschäfts-Konzept: Die 27-Jährige ist Veganerin und betreibt seit knapp einem Jahr mit ihrem Lebenspartner den Veggie-Shop im Brückstraßen-Viertel. Ihre Bilanz: „Der Laden läuft. Aber wir haben auch keinen Acht-Stunden-Tag und arbeiten sieben Tage in der Woche.“

Ein Laden, in dem viel Herzblut und noch mehr Maloche steckt. Und der noch nichts für die Altersversorgung abwirft. Aber trotzdem so brummt, dass der Mann von der Deutschen Bank bei der Kreditaufnahme zur Erweiterung der Lagerräume versicherte: „Für alles, was unter einer halben Million ist, brauchen Sie nicht extra vorbei zu kommen.“

Angesichts eines solchen Erfolges wird die Selfmade-Unternehmerin häufig nach ihrer Ausbildung gefragt. Dann lacht sie und entgegnet selbstsicher „Ich habe nichts gelernt.“

Einziger Vegan-Shop Deutschlands

Zurück bleiben Fragezeichen, die sie gerne auflöst und in Stichpunkten von ihrer Jugend erzählt, der das Tatoo-Girl noch gar nicht richtig entwachsen ist: Als Kind aus „normalem bügerlichen Hause“ wurde sie aus Tierliebe Vegetarierin, später Veganerin. Als Abiturientin kochte sie „aus Spaß“ mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter einmal pro Woche in einer Kneipe - vegan natürlich. „So lecker, dass wir letztendlich 80 Leute bewirten mussten.“

Aus dieser Leidenschaft entstand vor sechs Jahren der „Wonderland“-Online-Shop für Veganer, den sie auch heute noch betreibt. Der „Vegelicious Veggie-Shop“ mit Cafe ist sozusagen das Sahne-Häubchen der jungen Karriere.

„Anfangs kamen Leute aus ganz Deutschland und aus dem benachbarten Ausland“, blickt sie zurück. „Ein paar Franzosen haben im Auto vor dem Geschäft übernachtet um morgens hier zu frühstücken und einzukaufen.“ Land und Leute waren unterwegs, um den einzigen Veganer-Shop in Deutschland zu besuchen. Nicht nur überzeugte Fleisch-Verzichter, sondern auch Menschen mit Erkrankungen, die Fleisch- oder Milchprodukte meiden müssen und sich hier eine schmackhafte Alternative versprechen. Vor allem frische Produkte aus der Kühltheke wie „Thüringer Bratwurst“, „Schweine- und Rinderfilet“, Tiefkühl-Pizza oder „Fischfilet als rein pflanzliche Meeresspezialität“. Daneben Tierfutter und kosmetische Produkte. Alles rein vegan.

Auf der sicheren Seite

„Für die Kunden ist es ein entspanntes Einkaufen“, so Kalkowski. „Sie müssen nicht ständig die Aufkleber mit den Inhaltsstoffen lesen, die oft so kleingedruckt sind, dass man sie kaum entziffern kann. Hier sind sie auf der sicheren Seite.“

Nach der ersten Euphorie, als alle geguckt und gestaunt hatten, kam das „Sommerloch“. Aber: „Danach pendelte es sich ein.“ So gut, dass sie heute 20 Mitarbeiter beschäftigt, neun davon in Vollzeit.

Hub und Annie Debie-Essens aus Maastricht packen gerade an der Kasse ihren großen Trolly voll und rollen im wahrsten Sinne des Wortes mit Käse nach Holland. Käse aus Sojamilch über den Frau Antje wahrscheinlich die Nase rümpfen würde. „So eine Auswahl gibt es nicht bei uns“, sagen beiden engagierten Tierschützer begeistert. „Nicht mal in Amsterdam.“ Doch bevor sie nach Hause starten, nehmen sie noch einen Kaffee in dem gemütlichen kleinen Cafe, das zum Shop gehört. „Die Beagels schmecken gut und die bunten Cup-Cakes in der Virtrine sehen heute wieder ganz lecker aus.“