In Dortmund kann durch Kauf von Fair-Trade T-Shirt ein Stückchen Welt gerettet werden

Andrea von der Heydt betreibt das Geschäft Fair Bleiben am Heiliger Weg.
Andrea von der Heydt betreibt das Geschäft Fair Bleiben am Heiliger Weg.
Foto: Knut Vahlensieck
Wer sichergehen will, dass eine Näherin in Indien ihren gerechten Lohn bekommt, der kauft fairgehandelte Waren. Solche Waren bietet Andrea von der Heydt in ihrem Bekleidungsladen „FairBleiben" in Dortmund an. „Öko“, „kratzig“ und „überteuert“ sind an dieser Stelle Vorurteile, Fairtrade-Ware kann durchaus modisch sein.

Dortmund. Es sind vier schmale Buchstaben. Mit großer Wirkung: „Fair“. Sie sorgen für ein gutes Gewissen, sich selbst und anderen gegenüber. Und sie retten ein kleines Stück der Welt. In Dortmund, 2009 erste Fair-Trade-Stadt im Ruhrgebiet, umfasst das Netzwerk der Anbieter inzwischen mehr als fünf Dutzend Geschäfte.

Andrea von der Heydt musste sich keinen großen Kopf um den Namen für ihren Laden machen. „FairBleiben“ ist ein gutes Aushängeschild für Kleidung, die aus Hanf und Bio-Baumwolle besteht, die durch den Verzicht auf Pestizideinsatz die Gesundheit der Arbeiter schützt, die fair und zu gerechten Preisen gehandelt wird.

Gewohnheit durchbrechen

Streichen Sie an dieser Stelle alle Vorurteile. Von wegen „öko“, „kratzig“, „überteuert“. Fühlen Sie sich mal rein in eine Gesinnung, die durchaus etwas mit „leben und leben lassen“ zu tun hat. Andrea von der Heydt zieht ein weiches Shirt aus dem Regal – das nun wirklich nichts mit Jute zu tun hat. Alternativ ist es schon: Weil das Label die Verantwortung für Mensch und Natur wiederspiegelt. Darauf legen erstaunlich viele junge Menschen Wert – wie Fedor Bräutigam (24). Denen die Ausbeutung von Mensch und Natur auch ein Stück Zukunft nimmt. „Wir müssen füreinander sorgen in der Gesellschaft“, sagt Bräutigam – und ist demnächst wohl nicht mehr nur Kunde bei „FairBleiben“, sondern auch Lieferant mit seinem eigenen Fair-Trade-Modelabel.

Über Lebensmittel ans Thema herangetastet

Da, sagt Andrea von der Heydt, habe sich in den letzten Jahren viel getan. Auch und gerade im Bereich Männermode. Und: „Mit Marken können wir preislich mithalten“. Vor zwei Jahren hat sich die heute 43-Jährige beruflich auf neues Terrain gewagt. Von Beruf Schauwerbegestalterin hatte sie aus der Arbeitslosigkeit heraus erst einen Lottoladen geführt. In bester Bio-Nachbarschaft. Sie zuckt die Achseln: Auch sie habe sich über Lebensmittel Stück für Stück ans Thema rangetastet. Ist heute durchaus so etwas wie ein Auskunftsbüro, auch für ihre an die 60 Dortmunder Mitstreiter, die „fair“ und „bio“ auf Blumen bis Wein schreiben.

So geht es wohl den meisten: Sie durchbrechen die Gewohnheit. Machen sich Gedanken darüber, wieviel eine Näherin in Indien wohl an einem 5 Euro-Shirt verdienen kann? Und ob sich auf dem Etikett von Billigware tatsächlich ein Hinweis auf Nachhaltigkeit findet. Wonach eine Schnittblume noch riecht? Denn das „Greenwashing“, die angebliche Natürlichkeit, sei oft nicht mehr als eine moralische Politur. „Irgendwo muss der Preis ja herkommen“.

Es reicht, wenn jeder einen Anfang macht

Wer kauft fair? „Schüler, Studenten, Menschen von 14 bis 70, jede Sparte, jeder Geldbeutel. Menschen eben, die sich interessieren“, sagt die 43-Jährige. Menschen, die durchaus auch egoistische Gründe haben: „Weil sie keine Chemie auf der eigenen Haut tragen wollen.“ Sie winkt ab. Dass sie sich selbst von Kopf bis Fuß neu eingekleidet hat? „Das hätte ja nichts mit Nachhaltigkeit zu tun“. Außerdem: „Jeder hat sein Steckenpferd. Ich fahre auch Auto“. Soll heißen: Es reicht, wenn jeder einen Anfang macht und die Welt ein kleines Stück gerechter und besser macht.

 
 

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