Im Museum Ostwall im U-Turm Dortmund fehlen attraktive Ausstellungen

Nadine Albach

Dortmund. Dem Museum Ostwall im U-Turm fehlen die Höhepunkte. Die Bau-Situation durchkreuzt die Planung: Für attraktive Leihgaben werden stabile Klimaprotokolle über sechs Monate verlangt — aber die gibt es nicht. Ein regulärer Ausstellungsbetrieb ist erst ab 2012 möglich.

Glänzen sollte das Museum Ostwall im U – jetzt aber fehlen die Höhepunkte für das laufende Jahr: Nach der Kinoausstellung „Bild für Bild“ kann Museumsdirektor Kurt Wettengl bislang für 2011 keine Zuschauermagneten präsentieren. Die bauliche Situation durchkreuzt eine zuverlässige Planung. Und auch die bisherigen Besucherzahlen sind enttäuschend.

Die Ausstellungsplanung spätestens zu Beginn eines neuen Jahres zu veröffentlichen, hatte bislang schöne Tradition im Museum Ostwall (MO) – die diesmal ausgesetzt wurde. Museumsdirektor Kurt Wettengl beantwortete die Anfrage der WR nur schriftlich, schwieg sich aber über die Gründe aus. Offenbar hat sich Kulturdezernent Jörg Stüdemann die Kommentierung des Themas vorbehalten: Die Planung für 2011 sei „baustellenkonform“. Zwar seien die Ausstellungsetagen bespielbar, aber die „Peripherie“ aus Restaurierungswerkstatt (die im Frühjahr fertiggestellt werden soll) und Depot (avisiert für Juni oder Juli) eben nicht.

Stabile Verhältnisse

Um aber nationale oder internationale Leihgaben zu bekommen, müsse man Klimaprotokolle mit stabilen Verhältnisse für mindestens sechs Monate nachweisen. „Wir können die Bedingungen nicht herbeizaubern“, kommentiert Stüdemann. Ein „regulärer Ausstellungsbetrieb“ sei erst ab 2012 möglich.

Der Kulturdezernent verweist allerdings darauf, dass auch schon in den Beschlussvorlagen des Rates erst 2011 von einer Fertigstellung die Rede sei. „Das ist nicht schön und auch ärgerlich, aber anders geht es nicht.“

Das Hin und Her schlägt sich in wenig zufriedenstellenden Besucherzahlen nieder: Von den 31 000 Besuchern des U-Turms seit Dezember 2010 haben 12 300 die Dauerausstellung des Museum Ostwalls gesehen – und nur 4000 die am 18.12. eröffnete „Bild für Bild“-Ausstellung. Zum Vergleich: Das Hagener Kunstquartier aus Karl-Ernst-Osthaus sowie Schumacher-Museum hatte im Januar 2011 6113 Besucher – die Sammlungspräsentation des MO 4800, die Kinoschau sogar nur 2300. „Das ist von der Gesamttendenz nicht zufriedenstellend. Wir hatten uns bessere Zahlen für die Zeit versprochen“, sagt U-Gründungsdirektor Dr. Andreas Broeckmann, der mit „Normalbetrieb erst zum Jahresende“ rechnet: Er hebt hervor, dass so die Bedürfnisse auf den Etagen ausgetestet und nun passgenau eingerichtet werden könnten. Aber die Reihe von Eröffnungen, die durch den Druck von Öffentlichkeit und Ruhr. 2010 „abgerungen“ wurden, sei eventuell „zu früh“ gewesen. Für die Kommunikation nach außen sei die stückweise Inbetriebnahme unglücklich. Auch die Freunde des MO sorgen sich: „Es läuft sehr schwer an“, so Vorsitzender Helmut Engelhardt. „Solche Umbrüche sind immer heikel.“ Das U biete Riesenchancen, sei aber „kein Selbstläufer“.