Im Mordfall Schalla gibt es eine neue Spur

Exakt 20 Jahre nach dem Mord an der damals 16-jährigen Nicole-Denise Schalla aus dem Jungferntal in Rahm verfolgt die Polizei eine neue Spur, um die Tat aufzuklären. 100 Männer mussten eine Speichelprobe abgeben.

Dortmund.. "Wir konnten mit einem neuen Untersuchungsverfahren eine bisher nicht erkannte Spur entdecken", berichtete Staatsanwalt Henner Kruse über die Kriminaltechnik.Diese Spur auf den versiegelt eingelagerten Gegenständen (Kleidung, Rucksack) des Opfers könnte von dem seit zwei Jahrzehnten unerkannten Täter stammen.

Um ihn zu identifizieren, muss das Landeskriminalamt (LKA) die Speichelproben mit der neuen Spur abgleichen. Bis die Ergebnisse vorliegen, können noch Monate vergehen - und sie können die Männer auch entlasten. Sie mussten jetzt zum zweiten Mal in diesem Fall eine Probe abgeben.

Beim Freund in Herne

Die Männer gehören zu dem Kreis von Personen, die als Täter in Frage kommen und für eine ältere Analysemethode eine Speichelprobe abgeben mussten. Zum Beispiel, weil sie mit Nicole im Bus gesessen und sie als Opfer ausgesucht haben könnten.

Die Tat geschah am 14. Oktober 1993. Zahlreichen Hinweisen ging die Kriminalpolizei damals nach - der entscheidende war nicht darunter. Und somit beschäftigt sich die Mordkommission bis heute mit dem Fall. "Mord verjährt nicht", sagt Kriminalhauptkommissar Uwe Block.

Mordopfer durchquerte Europastadt

Die Ermittler suchen auch in Castrop-Rauxel weiter. Denn Nicole-Denise Schalla durchquerte in der Mordnacht die Europastadt. Das Mädchen mit der blonden Mähne besuchte an dem verhängnisvollen Abend ihren Freund in Herne und machte sich um 21.35 Uhr auf den Heimweg.

Zunächst von der Haltestelle "Am Knie" in Holthausen mit der Linie 311 Richtung Münsterplatz. Hier musste sie länger auf den 472-er Richtung Marten-Süd warten. Ein weiteres Mal stieg sie an der Haltestelle "Kirchlinde Post" um. Um 22.42 Uhr ging es mit dem Bus der Linie 462 Richtung Huckarde weiter.

Mann folgte der jungen Frau

Drei Minuten später stieg Nicole Denise an der Haltestelle Willstätter Straße aus. Der Busfahrer konnte später aussagen, dass der jungen Frau ein etwa 25- bis 30-jähriger Mann folgte, der auch im Bus saß.

Ob er Nicole-Denise Schalla in der Einfahrt einer Grundschule - etwa 40 Meter von der Bushaltestelle entfernt - ermordete, ist unklar. Möglicherweise ist er unter den Männern, denen eine Speichelprobe entnommen wurde.

Aktuelles hat Vorrang

Wann das Landeskriminalamt Ergebnisse vorlegt, kann Uwe Block nicht sagen. "Aktuelle Fälle erhalten stets Vorrang", so der Kriminalhauptkommissar. Der Ermittler beschäftigt sich seit dem Jahr 2000 mit dem Fall und hat einen guten Kontakt zur Familie des Opfers aufbauen können.

"Die Klärung liegt den Eltern sehr am Herzen und sie zeigen sich gegenüber der Polizei dankbar und verständnisvoll, dass weiter nach dem Täter gesucht wird", erklärt Uwe Block. Und: "Sie leben von der Hoffnung, dass der Fall doch noch aufgeklärt wird und sie den Täter eines Tages fragen können: Warum?"

"Irgendetwas ist immer"

Nicole-Denise wäre jetzt 36 Jahre alt. Ihre Mutter Sigrid Schalla hofft wie in den vergangenen 20 Jahren auf eine Festnahme. Gestern sagte die 59-Jährige: "Man bricht nicht jeden Tag in Tränen aus. Aber wir werden täglich an Nicole erinnert. Irgendetwas ist immer."
Zeugen gesucht

Zeugen, die zum Mordfall an Nicole Denise Schalla etwas sagen können,rufen an unter
Tel. (0231) 1 32 74 41.

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