Im Kampf gegen Rechts sind Verein und Fans gefordert

Stefan Reinke
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Wieder wurde ein Spiel von Borussia Dortmund zur Plattform rechtsextremer Gewalttäter. Dass es im Umfeld des BVB ein Problem mit Neonazis gibt, ist Verein und Fans bekannt. Doch bei der Wahl der Mittel im Kampf gegen Rechts herrscht Ratlosigkeit. Ein Kommentar.

Dortmund. Wie kann ein Fußballverein, und sei er noch so groß, gegen Neonazis in seinem Umfeld vorgehen? Eine schnell gestellte Frage, leider ohne einfache Antwort. Die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund haben das Problem erkannt und schon im Herbst und Winter 2012 Maßnahmen ergriffen. Eine hochauflösende Videoanlage half, den Urheber eines Banners mit rechtsradikalem Inhalt zu fassen. Rechte, die bei einem Auswärtsspiel der Zweiten Mannschaft ihre Gesinnung zur Schau trugen, erhielten Stadionverbot. Die Stadionordnung verbietet den Zutritt in Kleidung einschlägiger Nazi-Marken oder mit dem Aufdruck "Borussenfront". Auf den ersten Blick Äußerlichkeiten, die aber immerhin zeigen, dass etwas getan wird.

Doch viel wichtiger ist es, Rechten den Nährboden im Stadion zu entziehen. Und klar ist auch: Keine der Maßnahmen, die der BVB ergreift, kann sofort wirken. In der Kleinstadt Signal-Iduna-Park, in der Borussia Dortmund seine Heimspieie austrägt, wird es immer Menschen mit rechtem Gedankengut geben. Es wäre bereits ein großer Schritt, wenn es gelänge, diesen Menschen den Mut zu nehmen, ihre Gesinnung zur Schau zu tragen.

Das Stadion als Kleinstadt

Um das zu erreichen, muss die Bevölkerung der Kleinstadt Stadion enger zusammenrücken. Interesse füreinander muss geweckt werden. Die, die sich trauen, gegen Gewalttäter - nicht nur von rechts - vorzugehen, müssen die breite Unterstützung der Masse finden. Dazu bedarf es einer verstärkten Sensibilisierung der Masse, damit es in Dortmund nicht soweit kommt wie in Aachen, wo letztlich linke Ultras angesichts gewalttätiger Neonazis und gleichgültiger Fans kapituliert haben.

Um den Schulterschluss zu erreichen, muss der BVB den begonnen Weg noch konsequenter gehen und vermutlich noch penetranter werden. Das ist ein Balanceakt. Viele Fans, die nur zum Fußballgucken ins Stadion gehen und gar nicht mitbekommen, was am rechten Rand passiert, wird es über kurz oder lang auf die Nerven gehen, wenn immer und immer wieder die Selbstverständlichkeit gepredigt wird, dass rechtsradikales Gedankengut nichts im Stadion zu suchen hat.

Die Masse sensibilisieren

Die Sensibilisierung der Masse erfolgt denn wohl am besten im Kleinen. Über Projekte der Stiftung "leuchte auf" zum Beispiel. Über Aktionen auf Facebook, kleine Randbemerkungen in der alltäglichen Kommunikation, da helfen sicherlich die zusätzlich eingestellten Fanbeauftragten. Auch die Spieler werden sich als die Sympathieträger schlechthin beteiligen müssen. Der BVB kann da ganz gewiss kreative Lösungen finden. Hauptsponsor Evonik besticht immer wieder durch humorvolle und kreative Anzeigen, diese Kreativität lässt sich mit Sicherheit auch auf anderem Gebiet einsetzen, um mit abwechslungsreicher Penetranz in die Köpfe der Masse zu gelangen.

Doch auch die Fans selbst sind gefragt. Allen voran die organisierten Gruppen. Es nutzt nichts, das Problem zu erkennen, es muss auch klar benannt werden. Wenn es Übergriffe rechter Schläger auf andere Fans gibt, muss das der Polizei gemeldet werden. Da müssen gerade Ultras über ihren Schatten springen und ein Tabu im positiven Sinne brechen.