IHK fordert längere Startbahn für Flughafen Dortmund

Ulf Meinke
Ein Flieger am Flughafen Dortmund
Ein Flieger am Flughafen Dortmund
In Dortmund schwelt ein Streit um die Zukunft des Flughafens. IHK-Präsident Udo Dolezych macht sich nun für einen längeren Betrieb in den Abendstunden und eine Verlängerung der Startbahn stark. Anwohner fürchten um ihre Nachtruhe.

Dortmund. Im Interview spricht Udo Dolezych, der Präsident der Dortmunder Industrie- und Handelskammer (IHK), über das Image von Dortmund, den Streit um den Flughafen und die Idee der Ruhrstadt.

Udo Dolezych (71) ist seit 2006 Präsident der Dortmunder Industrie- und Handelskammer. Sein Unternehmen stellt Seile, Ketten, Hebebänder und Zurrgurte her und ist damit europäischer Marktführer für Ladungssicherung. Der Dortmunder Familienbetrieb beschäftigt etwa 600 Mitarbeiter. Zurrgurte von Dolezych waren auch bei der Reichstagsverhüllung des Künstlers Christo im Jahr 1995 im Einsatz.

Herr Dolezych, Ihr Unternehmen hat Werke in China, Chile, Polen und in der Schweiz. Sie sind also oft im Ausland unterwegs. Welchen Ruf hat Dortmund in der Ferne?
Dolezych: Städte wie Hamburg, München oder Köln sind sicherlich bekannter als Dortmund, obwohl über die Fußballer vom BVB hinaus mittlerweile viele Polen oder auch selbst Chinesen mit unserer Dortmunder Region Positives verbinden. Häufig haben wir allerdings immer noch den Ruf, besonders Kohle-, Stahl- oder Bier-Stadt zu sein. Insofern können wir an unserem Image noch arbeiten. Denn tatsächlich hat sich ja viel verändert in den vergangenen Jahren.

Was meinen Sie damit?
Dolezych: Wir waren einmal die Stadt weniger Großbetriebe, jetzt sind wir die Stadt des Mittelstands. Das lässt sich auch an Zahlen ablesen. Vor zehn Jahren gehörten rund 43.500 Unternehmen zu unserem Kammerbezirk, jetzt sind es 59.000 – das ist immerhin ein Zuwachs um mehr als 35 Prozent. Es hat uns schlagkräftiger gemacht, dass wir auf verschiedenen Feldern stark sind. Ich denke beispielsweise an die Versicherungswirtschaft, die Logistik-Branche, IT-Firmen, das produzierende Gewerbeund auch den Handel.

Welche Rolle spielt noch die Industrie?
Dolezych: Die Industrie macht rund 20 Prozent der Wertschöpfung in Dortmund aus. Damit liegen wir mittlerweile unter dem Bundesdurchschnitt. Wir würden es uns wünschen, wenn sich wieder mehr industrielle Arbeitgeber in der Region ansiedeln würden. Gerade in der Finanzkrise hat sich gezeigt, wie wichtig die industrielle Basis für Deutschland ist.

Wie steht es um die Akzeptanz der Industrie?
Dolezych:
Das Gezerre um den Bau des Kohlekraftwerks in Datteln zeigt, wie wichtig es ist, um Akzeptanz bei den Bürgern zu werben. Wir brauchen die Industrie als Job-Motor – und zwar gerade vor der eigenen Haustür. Im Übrigen brauchen wir auch die zuverlässige Versorgung mit preisgünstiger Energie. Daher ist es gut, dass derzeit in Hamm und Lünen neue Kraftwerke entstehen.

Die rot-grüne Landesregierung will NRW zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz machen. Zieht die Wirtschaft mit?
Dolezych: Klimaschutz ist ein wichtiges Vorhaben. Aber wir müssen darauf achten, dass NRW als Standort international wettbewerbsfähig bleibt. Wenn sich dem Ziel, mehr Klimaschutz zu erreichen, alle anderen Anliegen – beispielsweise die Schaffung von Arbeitsplätzen – unterzuordnen haben, dann läuft etwas falsch.

In Dortmund schwelt ein Streit um die Zukunft des Flughafens. Was ist wichtiger: die Nachtruhe der Anwohner oder eine Wachstumsperspektive für den Airport?
Dolezych: Es ist im Gespräch, die Betriebszeit am Abend um eine Stunde – also bis 23 Uhr – zu verlängern. Ein solcher Schritt ist sinnvoll, um den Flughafen wettbewerbsfähig zu machen. Grundsätzlich wäre auch eine Verlängerung der Startbahn sinnvoll, damit auch größere Maschinen Dortmund ansteuern können.

Können Sie die Sorgen der Anwohner nachvollziehen?
Dolezych: Ja, aber ich teile die Bedenken nicht. Dortmund braucht einen starken Flughafen. Daher sollte die Verhinderungspolitik, die wir gerade erleben, ein Ende haben. Es entsteht zuweilen der Eindruck, dass sich hinter dem Protest der Wunsch verbirgt, den Flughafen insgesamt kaputt zu machen. Das wäre fatal. Der Flughafen Dortmund ist immerhin der viertgrößte Airport in NRW und der einzige im Ruhrgebiet.

Ist es sinnvoll, den Flughafen dauerhaft zu subventionieren?
Dolezych: Es geht ja gerade darum, dauerhafte Subventionen unnötig zu machen. Das ist möglich, wenn der Flughafen Wachstumsmöglichkeiten erhält. Im Übrigen gehen schon jetzt erhebliche Impulse vom Airport aus. Der Flughafen erzeugt jährlich rund 200 Millionen Euro Wertschöpfung für die Region – bei einem Defizit von 19 Millionen Euro.

Wie steht es um das Straßen- und Schienennetz der Region?
Dolezych: Die Infrastruktur in NRW ist in Teilen katastrophal. Das Straßennetz ist marode und muss dringend an einigen Stellen ausgebaut werden. Nur ein Beispiel: Seit Jahren gibt es Überlegungen, die B1 durch das Dortmunder Stadtgebiet zu untertunneln, damit sich der Verkehr nicht mehr praktisch an jeder Ampel staut. Leider ist das Projekt bis heute nicht realisiert. Auch das Schienennetz müsste erweitert werden. Ich denke dabei insbesondere an die Strecken Dortmund-Münster und Dortmund-Kassel.

Fühlen Sie sich eigentlich als Westfale oder als Bürger des Ruhrgebiets?
Dolezych: Ich fühle mich als Westfale mit einer besonderen Verbindung zum Ruhrgebiet.

Was halten Sie von der Idee, die Revier-Kommunen zur Ruhrstadt zu fusionieren?
Dolezych: Ich gehöre nicht zu den Anhängern der Ruhrstadt-Idee. Um es drastisch auszudrücken: Wir brauchen keinen Einheitsbrei. Besser ist es, die jeweiligen Besonderheiten der Regionen und Kommunen zu berücksichtigen. An der einen oder anderen Stelle -bei den Kultureinrichtungen oder der Regionalplanung etwa - lohnt sich allerdings die Zusammenarbeit.

Dirk Grünewald, der Präsident der IHK für Essen, Mülheim und Oberhausen, hat eine Fusion der Kammern im Revier ins Gespräch gebracht…
Dolezych: Die Kammern des Ruhrgebiets arbeiten schon jetzt gut zusammen. Ich bezweifle jedenfalls, dass der Service der IHK durch eine Fusion besser würde. Wir brauchen ein gewisses Maß an Regionalität. Eine Kammer ist umso besser, je näher sie bei den Unternehmen ist.