Hopfen, Malz & Co. – Dortmund braucht ein Bier

Tag der offenen Tür bei der Bergmann Brauerei: Dr. Thomas Raphael erklärt wie’s geht. WR-Bild: Ralf Rottmann
Tag der offenen Tür bei der Bergmann Brauerei: Dr. Thomas Raphael erklärt wie’s geht. WR-Bild: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

In den 70er Jahren war sie die kleinste von acht Brauereien in Dortmund: Die Bergmann Brauerei an der Rahmer Straße. Nach über 30 Jahren Brau-Pause ist sie jetzt wieder zurück. Und zwar an einem neuen Standort: in einer ehemaligen Schmiede an der Schäferstraße.

Die Faszination, die vom Gerstensaft ausgeht, ist ungebrochen: Über 1500 Menschen zog es am Samstag zur Wiedereröffnung der kultigen Brauerei. Ab 11 Uhr war offizieller Brau-Beginn und gleichzeitig Tag der offenen Tür, zu dem jeder Gast mit einem Freibier begrüßt wurde.

Ehemalige Küfer, Mälzer, Hobby-Brauer oder einfach nur Neugierige zog es bei strahlendem Sonnenschein in das rote Ziegel-Gebäude im Dortmunder Hafen, um der legendären Biermarke zu huldigen, in Erinnerungen zu schwelgen oder der Kunst des Bierbrauens beizuwohnen.

So wie Peter Koltermann (68) mit Sohn Sascha (38). Genüsslich trinkt Sascha ein Bergmann-Spezial. Der Hobby-Brauer braut selber unterschiedlichste Biersorten zu Hause in einem 70-Liter-Tank, ein bis zwei Mal im Jahr. Und vom Bergmann-Bier ist er absolut begeistert. So sehr, dass es auf seiner Hochzeit im Pferdestall der Zeche Zollern den dunklen Gerstensaft gab. „Das ist noch Bier mit einem charakteristischen Ge-schmack. Und kein Einheits-Gebräu“. Interessiert lauschen Klaus Begoll (67) Willi Pittalkow (68) den Ausführungen von Inhaber Dr. Thomas Raphael zu Hopfen, Malz & Co. vor den rund 1000 Liter fassenden Gär- und Lagertanks. Daneben Maischpfanne, Läuterbottich, Würzepfanne und Whirlpool.

Es werde, so Raphael, gebraut ganz nach Bedarf. „Am Tag können wir rund 2000 bis 3000 Liter brauen“, erklärt der Biologe, der hauptberuflich für die Lebensmittelindustrie arbeitet. Das Bierbrauen sei nur ein Hobby.

„Lieber eins weniger, dafür eins besser“

„Mensch, das war ‘ne tolle Zeit, als das Bier noch mit Pferdekutschen in Holzfässern transportiert wurde. Da gab’s noch keine Kühlschränke“, blickt Begoll, früher Werbetechniker für Brauereien wie die Actien- oder Hansa-Brauerei, zurück.

„In Dortmund fehlt heutzutage einfach eine regionale und kleine Biersorte“, erklärt Raphael seine Beweggründe, die alte Marke von 1776 wieder populär zu machen.

Seit 2007 läuft das Bier-Projekt, mit durchweg positiver Resonanz. Mit Werbesprüchen wie „Harte Arbeit, ehrlicher Lohn“ und „Lieber mal eins weniger, dafür eins besser“, wirbt das Unternehmen. „Unser Projekt hat uns schon viele Freunde eingebracht und es macht unglaublichen Spaß, in Dortmund in Sachen Bier unterwegs sein zu dürfen“, so Raphael. Noch sei Dortmund ein bisschen „Bierstadt“ und viele Dortmunder bestärken ihn: „Toll, dass jemand mal wieder etwas unternimmt.“

Das findet auch Willi Pittalkow, ehemaliger Küfer der Thier-Brauerei. 20 Jahre lang habe er in der Brauerei gearbeitet, so der pensionierte Fassbinder. „Seit 1976 habe ich keine Brauerei mehr von innen gesehen.“ Die Nachfrage nach Führungen und Besichtigungen sei riesig, so Raphael. „Wir sind zu klein, um das zu bewerkstelligen. Dafür wird es einmal im Monat einen Tag der offenen Tür geben.“

 
 

EURE FAVORITEN