Hoffnung für B1-Tunnel in Dortmund

Michael Kohlstadt
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Foto: BM VBS

Dortmund. Der Tunnel ist tot. Lang lebe der Tunnel. Frei nach dieser alten Redewendung aus vordemokratischen Zeiten lässt sich die Geschichte des B1-Tunnels lesen: Es geht um Werden, Vergehen und Wiederauferstehen eines ebenso millionenschweren wie umstrittenen Bauprojektes. Plötzlich keimt wieder Hoffnung auf, die Bagger könnten doch noch anrollen. Eines Tages.

Seit der Niederlage der Tunnelbauer vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster, das den Planfeststellungsbeschluss vor zweieinhalb Jahren aus rein formalen Gründen aufhob und dem Tunnelbau damit vorläufig jegliche Rechtsgrundlage entzog, gilt das Mammutunternehmen eigentlich als scheintot. Erst recht nach dem so endgültig wirkenden Knockout vor wenigen Wochen: Damals geisterte die Nachricht durch die Medien, der B1-Tunnel sei vom Verkehrswegeplan der Bundes gestrichen worden oder wenigsten ganz weit nach hinten gerückt - wegen der dramatischen Kassenlage des Verkehrsministeriums.

Durchgangsverkehr unter die Erde

Doch nun könnte wieder Hoffnung aufkeimen bei all denjenigen, die den Durchgangsverkehr auf der Ost-West-Achse des Ruhrgebiets auf Dortmunder Innenstadtgebiet am liebsten unter die Erde bringen wollen und bereit sind, dafür mindesten 234 Mio Euro an Steuergeldern auszugeben. Denn gestern meldete sich unverhofft Erich G. Fritz, Dortmunder CDU-Mann in Berlin, zu Wort mit der klaren Ansage: Der Tunnel ist keineswegs tot. Alle Meldungen, der Dortmunder Durchstoß sei nicht mehr im Finanzierungsplan, stimmten so nicht.

Zwar ist Fritz nur das, was man - die eine oder andere Sprecherfunktionen ausgenommen - einen einfachen Abgeordneten im Berliner Parlament nennt. Doch der Mann sitzt seit 1990 im Bundestag, kennt sich also mit politischen Gepflogenheiten bestens aus, weiß Dinge zu gewichten, neigt bekanntermaßen nicht zum Übermut und kann sich in Sachen B1-Tunnel überdies auf einen Gewährsmann mit höchster Entscheidungskompetenz stützen: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Der habe ihm und den anderen fünf Mitgliedern der Ruhrgebietsgruppe innerhalb der Unionsfraktion versichert: Der Tunnel bleibt ganz oben auf der Liste bundesdeutscher Straßenbauprojekte.

Tunnel ist "pure Notwendigkeit"

„Es gibt niemanden“, sagt Erich G. Fritz, „der die Absicht hat, den Tunnel zu beerdigen.“ Schließlich handele es sich ja trotz der immensen Kosten nicht um irgendein Prestigebauwerk, sondern um eine „pure Notwendigkeit“, damit die Verkehrslasten der Zukunft bewältigen werden könnten.

Allerdings muss auch Fritz einräumen: So schnell wird der Tunnel nicht ans Tageslicht drängen. Denn die zuständige Planungsbehörde - in diesem Fall der Landesbetrieb Straßen.NRW - muss wieder bei Adam und Eva beginnen. Allein die Dauer der Planfeststellung taxiert Fritz auf zehn Jahre - wenn alles reibungslos und ohne Widersprüche ablaufen sollte. Dass der Tunnel bau allein an den hohen Kosten scheitern könnte, lässt Fritz als Argument freilich nicht gelten. Das Geld sei da, weil niemand die Notwendigkeit in Frage stelle. „Oder glauben Sie“, schiebt Fritz nach, „der Bund würde zulassen, dass die Sauerlandlinie gesperrt wird, weil zwei Brücken einsturzgefährdet sind?“