Hinter den Kulissen der Futterküche für Raubtiere im Zoo Dortmund

Tierpflegerin Debbie Kosfeld bringt der hungrigen Löwin das Mittagessen aus der Futterküche vorbei.
Tierpflegerin Debbie Kosfeld bringt der hungrigen Löwin das Mittagessen aus der Futterküche vorbei.
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.. Das Blut tropft auf den Fußboden. Eine rote Lache hat sich gebildet. Der Geruch sticht in die Nase, nach Fleisch und Pferdestall. Aufgespießt an den Haken unter der Decke hängen die 110 kg schweren Leckerbissen, die vor einigen Wochen noch über schneebedeckte Wiesen galoppierten. Willkommen in der Futterküche des Dortmunder Zoos.

Schlachten und Häuten sind Schnee von gestern. Jetzt müssen die frischen Pferdeschenkel nur noch in mundgerechte Stücke zersägt werden und fertig ist das Löwenmenü. Eines von rund 230 Gerichten, auf der Speisekarte des Zoos.

Ob Raubtiere, Kängurus, Giraffen oder Ameisenbären: 1500 hungrige Mäuler müssen täglich gestopft werden. In der Großküche stehen fünf Tierpfleger am Herd, die sich um das leibliche Wohl der tierischen Feinschmecker kümmern. Einer von ihnen ist Dennis Wienhusen. Er kocht die Kartoffeln für die Affen. In Töpfen, die auch in gewöhnlichen Großküchen auf der Flamme stehen. Auch der Riesenmixer, in dem er das Leibgericht der Ameisenbären zubereitet, wird in Kantinen eingesetzt.

Und bei den Zutaten, die Wienhusen zubereitet, würde sich bestimmt auch so mancher Gourmetkoch gerne bedienen: Garnelen, Krabben, Hummer, frisches Gemüse und Joghurt lagern im Kühlhaus. Allerdings bereitet Dennis Wienhusen etwas größere Portionen zu, als ein Gourmetkoch. Im Jahr verfüttern er und seine Kollegen mehrere Tonnen Fisch, viele tausend Kilogramm Kartoffeln, Reis, Gemüse und bis zu 100 Pferde an die Bewohner des Zoos.

Nach einem Spezialrezept zaubert Wienhusen aus diesen Zutaten Gerichte, die nicht unbedingt jedem wohl bekommen. Dem Gourmetkoch wird es wahrscheinlich sauer aufstoßen, doch den Ameisenbären läuft das Wasser im Mund zusammen: Zu ein paar Eimern Äpfeln und Birnen wird etwas Honig gerührt, dann kommen geschnittene Rinderherzen dazu. Das Ganze wird mit einem Sack Haferflocken, Garnelen und Krebsen unterlegt. Zum Abschluss fügt Wienhusen dann noch gemahlenes Hundefutter hinzu. Guten Appetit!

Leckere Logistik

Zum Job in der Futterküche gehört nicht nur das Kochen. Wienhusen ist auch für die Logistik verantwortlich. Er sorgt dafür, dass alle Zutaten vorhanden sind. 30 Sorten Trockenfutter lagern in Säcken im Keller. Wöchentlich bestellt er Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch bei den Supermärkten. Und dann müssen auch noch die Würmer und Käfer für die Reptilien gefüttert werden.

„Ich bin froh, dass ich nicht die Zeiten miterleben musste, in denen wir Tierpfleger auch noch die Pferde häuten und auseinandernehmen mussten“, erzählt Wienhusen. Das mache inzwischen der Metzger von außerhalb. „Die einzigen Tiere, die noch lebendig zur Futterküche geliefert werden, sind Tauben“, sagt er und zeigt auf die steifgefrorenen Vögel, die in den Eimern im Gefrierraum lagern. „Sie werden mit einem stickstoffhaltigen Gemisch vergast“, erklärt der Tierpfleger, das sei als die „humanste“ Art die Tauben zu töten vorgeschrieben.

Putzige Mäuse(zucht)

Eine Aufgabe, mit der sich Wienhusen viel lieber beschäftigt: die Mäusezucht. „Die sind so putzig und es macht Spaß zu sehen, was für schöne Fellfarben herauskommen, wenn ich verschiedene Arten kreuze“, schwärmt der Tierpfleger. Den Schlangen, die die kleinen Mäuse später verputzen, wird die Farbe der Tiere egal sein. Aber einem Nager kann sein hübsches Fell schonmal das Leben retten.

Den Hamstern zum Beispiel, die vor einigen Tagen in die Futterküche geliefert wurden. Denen erging es wesentlich besser als den Pferden. Während sich die Löwen über das Pferdefleisch hermachten, mussten die Schlangen auf ihren Braten verzichten. „Die waren so süß, jeder von uns hat einen mit nach Hause genommen“, sagt Wienhusen.

 
 

EURE FAVORITEN