Hilfe für britische Soldaten

Arbeiten ehrenamtlich mit : Inge Richards, Michael Whitaker, Marianne Chudanski und Michael Zambra.
Arbeiten ehrenamtlich mit : Inge Richards, Michael Whitaker, Marianne Chudanski und Michael Zambra.
Foto: Ralf Rottmann
Die britische Kasernen sind längst geschlossen, die „Royal British Legion“ kümmert sich aber weiter um ehemalige Soldaten. In der Dortmunder Organisation ist der Mitgliederzahl konstant, es fehlt aber der Nachwuchs.

Dortmund.. Moore Barracks, Suffolk Barracks oder West Riding Barracks – einst waren es Synonyme für britische Militärpräsenz am Dortmunder Stadtrand. Bis Mitte der Neunziger Jahre. Der Kalte Krieg war längst beendet, die letzte Kaserne in der Stadt schloss ihre Pforten. Viele britische Soldaten blieben aber in Deutschland. Wie Michael Zambra.

Nach dem Militärdienst arbeitete der Engländer bei den städtischen Abwasserbetrieben. Dort sprach ihn ein deutscher Kollege an: „Du bist doch ein Tommy. Dann komm doch mal zu uns.“ Und so nahm er seinen englischen Kollegen nach Feierabend mit zur „Royal British Legion“. Bei „Fish and chips“ kam Michael Zambra mit anderen ehemaligen Soldaten ins Gespräch. Er wurde Mitglied im Dortmunder Ortsverein, mittlerweile ist er der Vorsitzende.

„Die Kameradschaft hat mir sehr gut gefallen. Also bin ich geblieben“, erzählt der gebürtige Londoner. Nun dreht es sich im Verein aber nicht um Märsche, Munition und Militäruniformen. „Wir kümmern uns um das Wohlergehen unsere ehemalige Soldaten, deren Witwen und Angehörigen“, berichtet Michael Zambra. Sie unterstützen sie beim Ausfüllen eines Rentenantrages oder auf der Suche nach einem Platz im Altenheim. Das kann für britische Staatsbürger, die in Deutschland wohnen, schon einen immensen Aufwand bedeuten. „Vor kurzem kam einer zu mir, der hatte nicht mal eine Krankenversicherung abgeschlossen“, sagt Zambra. Fünf ausgebildeten Sozialarbeiter kümmern sich um solche Fälle.

Aktion bringt 35 Millionen Pfund

Das nötige Geld bekommt die Legion aus einem Wohltätigkeitsfond. Dieser finanziert sich aus dem Verkauf kleiner Plastik-Mohnblumen – auf Englisch heißen sie „Poppies“. 35 Millionen Pfund (circa 42 Millionen Euro) brachte diese Aktion im vergangenen Jahr weltweit ein.

Die Spendenbereitschaft ist ungebrochen, allerdings hat die „Royal British Legion“ zumindest in Dortmund auch ein Problem: Nachwuchsmangel. Die Mitgliederzahl ist konstant, derzeit sind es 28. Allerdings hat der Jüngste im Bunde auch schon die 40 überschritten. „In Städten, wo noch britische Soldaten stationiert sind, sieht das anders aus. Da sind auch junge Männer mit 19 oder 20 Jahren Mitglieder. Und die Abteilungen sind größer“, sagt Michael Zambra.

Michael Whitaker kennt ganz andere Dimensionen: Er war lange Zeit in der 500 Mitglieder starken Osnabrücker Legion. Whitaker wurde arbeitslos, musste nach Dortmund umziehen und war froh, dort sofort Anschluss zu finden. „Mir gefällt es in der Legion“, berichtet der ehemaliger Soldat. Heimweh nach der Insel verspürt er nicht.

Den Wortschatz verbessern

Auch Deutsche sind in der Legion willkommen. Inge Richards lernte die Gemeinschaft über ihren englischen Ehemann kennen. Die Schatzmeisterin kennt auch einen Grund, warum die Legion für jüngere Menschen wertvoll sein könnte: „Bei unseren Treffen wird ausschließlich Englisch gesprochen. So können sie ihren Wortschatz aufbessern.“ Michael Zambra und Michael Whitaker bestätigen das: „Dazu sind die Treffen auch gut. Im Alltag reden wir größtenteils Deutsch, deshalb sind die Versammlungen für uns eine willkommene Abwechselung.“

 
 

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