Hausverbot für Bulgaren und Rumänen - das ist der Hintergrund

Hausverbot, Bulgaren, Rumänen, Polizei. Diese vier fettgedruckten Wörter auf einem Schild an der Tür eines Hauses in der Nordstadt sorgten für Ärger - und für beste Laune in Dortmunds rechter Szene. Wir haben mit dem Mann gesprochen, der das Schild aufgehängt hat.

Dortmund. Für die Linken ist Georg Kricke ein böser Mann, ein Beispiel für die Ausländerfeindlichkeit und einen Rückfall in die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Für die Rechten ist Georg Kricke ein Symbol dafür, dass das Volk sich endlich gegen die "Überfremdung" wehrt.

"Noch nie so ein Haus"

Georg Kricke ist Hausverwalter, und er hatte ein Problem - als er es lösen wollte, war er plötzlich ein Politikum. Seit annähernd 20 Jahren verwaltet Kricke Häuser, auch in der Nordstadt, im Oktober vergangenen Jahres bekam er ein größeres Objekt dazu.

In der Westhoffstraße, in Steinwurfweite vom Nordmarkt. Zu dem Komplex gehörte auch ein Wohnhaus, 26 Mietparteien. "So ein Haus habe ich noch nie gehabt", sagt Georg Kricke. Am Ende griff er zu einem, wie er sagt, "allerletzten Hilfsmittel".

Schild als letztes Mittel

Das Hilfsmittel war ein Schild. "Hausverbot" stand in dicken roten Buchstaben darauf. Genau so groß standen noch die schwarzen Worte "Bulgaren" und "Rumänen" sowie das Wort "Polizei", wieder in Rot. Das Schild hing nicht lange an der Hauseingangstür.
Zunächst sahen es Besucher der Beratungsstelle Westhoffstraße, sie kamen von einer Veranstaltung zum Thema Integration. Sie machten ein Foto und stellten es am 20. Juni ins Internet. Der Tenor: ein Beispiel für extremen Rassismus.

Internetkarriere

Das Bild des Schildes von Herrn Kricke machte eine Art Internetkarriere: Es wurde geteilt und kommentiert, strafanzeigenwürdig sei das, hieß es. Ob Juden noch ins Haus dürften, wurde gefragt.Volksverhetzung sei das, die ganze Sache schaukelte sich hoch. Jeder hatte eine Meinung und wollte sie auch noch mal schildern.

Auch das rechte Dortmunder Lager würdigte das Schild als Zeichen dafür, dass das Volk gegen Überfremdung aufstehe, da sei das Signal, man hoffte auf Nachahmer und sah sich in seinem braunen Gedankengut bestätigt.

Das sagt Herr Kricke

Herr Kricke hat das im Internet dann alles irgendwann mitbekommen, gefragt hatte ihn selber aber niemand. Wäre er gefragt worden, hätte er seine Sicht der Dinge geschildert: Viele Menschen, die in Häusern wohnen, die er verwaltet, sind nicht in Deutschland geboren. Man dürfe, sagt er, die "Menschen nicht über einen Kamm scheren".

Dass er es trotzdem getan hat, sieht er in der Nachschau auch so, er hatte aber aus seiner Sicht dringende Gründe: Zwei der 26 Wohnungen gefährdeten den Hausfrieden. In einer Wohnung wohnte laut Aussage des Verwalters ein Mann, der betreut wurde.

Matratzenlager in einer Wohnung

Er habe seine Wohnung als Matratzenlager untervermietet, nachts sei wahllos an der gesamten Klingelfront geschellt worden, irgendwann war die Tür aufgebrochen worden, und die Wohnung sei ein Taubenschlag gewesen. Der Mieter ist jetzt ausgezogen, Krick hat ihm, sagt er, noch 750 Euro gezahlt, dafür sei der Mann schnell raus. Die Wohnung sei jetzt, abgesehen von den Schaben, leer. Wenn man wolle, könne man sich die gerne noch anschauen.

Die andere Wohnung ist noch nicht leer, hier wohnt ein älterer Mann, der den in der Nordstadt aktiven Straßenprostituierten seine Wohnung als Betätigungsfeld zur Verfügung gestellt hatte. Auch hier habe es eine mächtige Fluktuation in der Wohnung gegeben. Einschließlich benutzter Kondome im Treppenhaus.

Rumänen und Bulgaren als Untermieter

Da sowohl die Untermieter als auch die Prostituierten aus Rumänien und Bulgarien stammten und er Unterschriftenlisten seiner anderen Mieter bekam, die drohten, auszuziehen, wenn er nichts gegen die Verhältnisse tun würde, hängte Kricke dann das Schild auf.

Auf ihm steht komplett: "Hausverbot für Rumänen und Bulgaren in den Wohnungen 10 und 11, bei Zuwiderhandlungen sofort Anzeige und Polizei." Vier Worte sehr groß, der Rest klein oder sehr klein.

Die Polizei war dann vor Ort, sie sagt, es habe ein Bürgergespräch gegeben, und Herr Kricke habe das Schild sofort entfernt und seine Situation erklärt sowie jede fremdenfeindliche Attitüde verneint. Aktuell ist der Vorgang beim Dortmunder Staatsschutz anhängig.

Von Tobias Großekemper