Hat Envio vor der Razzia Akten entsorgt?

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Hat die Skandalfirma Envio vor der Razzia am Mittwoch heimlich Akten verschwinden lassen? Augenzeugen wollen beobachtet haben, wie vor der Durchsuchung Kisten aus dem Gebäude im Dortmunder Hafen geschleppt worden sind.

Neue Irritationen im PCB-Skandal: Unmittelbar vor der Razzia der Dortmunder Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung bei der Giftfirma Envio am Mittwoch (6. Oktober 2010) soll Material vom Werksgelände verschwunden sein – Akten der Firma Envio, vermuten Beobachter der Aktion. Die Staatsanwaltschaft sieht dafür „keinerlei Anhaltspunkte“.

„Ehe die Durchsuchung begann, wurden haufenweise Kartons aus dem Gebäude geschleppt“, schildert ein Augenzeuge das Geschehen. Das Material sei im Wagen einer Spedition verstaut worden. Ein Mitarbeiter einer benachbarten Firma, der das mitbekam, verständigte die Bezirksregierung. Regierungspräsident Prof. Gerd Bollermann ereilte die Nachricht im Auto, auf dem Weg nach Düsseldorf. Sogleich informierte er die Staatsanwaltschaft.

„Putzkolonne“ hat Kisten aus dem Gebäude geschleppt

Anwesende berichten von starken Polizeikräften, die anschließend anrückten. „Mit der Pistole am Gürtel“ seien Beamte über Flure und Außengelände marschiert. Oberstaatsanwältin Ina Holznagel bestätigt den Einsatz, von dem am Mittwoch noch keine Rede war. „Wir gehen nicht davon aus, dass Envio-Akten abtransportiert wurden“, sagt sie und erzählt eine andere Geschichte. Das Video-Band am Haupteingang des Envio-Geländes zeige eine Putzkolonne, die das Gelände am frühen Mittwochmorgen mit Kisten verlassen habe. Über die Anzahl der Kartons und weitere Einzelheiten äußert sich Holznagel nicht. Nur soviel: Es gebe „nicht den Hauch eines Hinweises dafür, dass darin Akten waren“. Viel spreche für „Stille Post“.

Augenzeugen weisen das strikt zurück. In der Nachbarschaft der Giftfirma schwindet das Vertrauen in die Staatsanwaltschaft. Dass zwischen den großen Durchsuchungen viereinhalb Monate vergingen, hat Zweifel an den Ermittlern genährt. Offen kursieren Mutmaßungen über eine „Aktenentsorgung“, die auf einen heißen Tipp aus Ermittlerkreisen zurückgehe. „Sind wir in Sizilien?“, fragt ein Firmenchef.

 
 

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