Harte Worte eines Theater-Freunds

Prof. Michael Hoffmann kritisiert die Aufstellung der Dortmunder Kulturszene.  Foto: Marcus Simaitis
Prof. Michael Hoffmann kritisiert die Aufstellung der Dortmunder Kulturszene. Foto: Marcus Simaitis
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Dortmund.. „Dortmund hat genug Geld für Kultur. Es wird nur falsch ausgegeben“ - das ist das Fazit eines aufrüttelnden Vortrags, den Prof. Michael Hoffmann vor dem Lions-Club Rothe Erde hielt. Seine Analyse: Zwischen Theater und Konzerthaus fehle die Absprache, die Personalkosten im Theater seien zu hoch und die Kartenpreise zu niedrig.

Um die Brisanz von Thesen zu beurteilen, spielt nicht nur ihr Inhalt eine Rolle - sondern auch, wer sie vorträgt. Prof. Michael Hoffmann ist Vorsitzender der Theater- und Konzertfreunde, wollte seinen Vortrag aber als den einer interessierten Privatperson verstanden wissen. Trotzdem gewinnen seine Vorschläge natürlich auch Brisanz durch seine Position, die sich nicht einfach ausblenden lässt.

Hoffmann ließ Zahlen sprechen, die er aus Ratsunterlagen und Gesprächen mit Konzerthaus- und Theaterführung gewonnen hat. Vier Millionen Umsatz mache das Theater in einer Spielzelt mit zu 100 Prozent eigenen Veranstaltungen, die 220 000 Besucher anschauten. Es erwirtschafte einen Fehlbetrag von 25,8 Millionen Euro. Der liegt im Konzerthaus nur bei 5,1 Millionen - bei einem Umsatz von 3,6 Millionen Euro und 195 000 Zuschauern, allerdings nur mit 60 Prozent Eigenveranstaltungen.

Um den Fehlbetrag auf Null zu bringen, müsste das Konzerthaus nach Hoffmanns Berechnungen den Preis pro Karte um 26 Euro im Schnitt erhöhen, das Theater um satte 111 Euro. Das findet auch Hoffmann zu viel, schlug aber angesichts der geringen Eintrittspreise im Theater eine moderate Erhöhung vor.

Zweiter Kritikpunkt: Die Personalkosten am Theater (circa 30 Mio.), die nur zu einem geringen Teil (8 Mio.) in die Kunst flössen. Zudem würden die künstlerischen Etats seit Jahren um drei Prozent gekürzt, während die Tarifgehälter stiegen. Hoffmann sieht „Rationalisierungspotential beim Personal“ etwa in der Verwaltung und durch den Ausstieg aus dem Tarifgefüge. Viel mehr könne man Ehrenamt nutzen und Bezieher von Transferleistungen (etwa Hartz IV) für die Arbeit an der Kultur bewegen.

Hoffmann fordert einen Generalintendanten, der einen langfristigen Plan für das Theater entwickelt: Während Opernintendantin Christine Mielitz drei bis vier Inszenierungen machte, habe sich Nachfolger Jens-Daniel Herzog nur zu zweien verpflichtet. Hoffmann stellt in Frage, ob dies genug sei für die Formung eines Ensembles. Kritik äußerte er auch an der mangelnden Absprache zwischen Konzerthaus und Theater, die teils zu identischen Angeboten führe. Auch die vorhandenen Ressourcen müssten besser genutzt werden - zum Beispiel durch eine stärkere Einbindung der Philharmoniker bei Klangvokal,

Harsch ging er auch die Politik an, die nicht nach dem Stellenwert der Kultur handele: „Offenbar kann die Mehrheit der Ratsmitglieder weder mit Geld noch mit Kultur umgehen.“

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