Happy Birthday, alte Schüssel!

Die Begeisterung war überschwänglich. "Köln ist eine Fabrik, Brüssel ist eine Garage und Paris ist eine Bahnhofsvorhalle neben diesem fabelhaften Bauwerk", schwärmte der Chefredakteur der Brüsseler Zeitschrift "Les Sports", Paul Beving. Das "fabelhafte Bauwerk" war die ganz aus Holz gebaute Westfalenhalle, die heute vor genau 90 Jahren feierlich eröffnet wurde. Wir blicken zurück.

Dortmund. In der Tat war die Westfalenhalle bei ihrer Eröffnung am 28. November 1925 Europas größte Sporthalle. Und Sport prägte auch das Programm des großen Holzbaus, der in nur wenigen Monaten Bauzeit im Süden der Innenstadt entstanden war.

Legendäres Sechs-Tage-Rennen

Ein Publikumsrenner waren vor allem die legendären Sechs-Tage-Rennen. "Zu den beliebtesten Fahrer gehörten der Dortmunder Karl Göbel und sein italienischer Partner Alfredeo Dinale", erinnert sich Karlheinz Engels (95), der schon als Jugendlicher Stammgast in der Halle war. Später sorgten die beiden Dortmunder Heinz Vopel und Gustav Kilian für Begeisterung. Aber auch Reiter, Eisläufer, Ringer oder Boxer fanden in der Halle ein Domizil. Legendär der Europameisterschafts-Boxkampf zwischen Max Schmeling und dem Belgier Delarge im Juni 1927. Schmeling siegte in der 13. Runde.

Aber auch die alte Westfalenhalle wurde schon vielseitig genutzt. Große Zirkusunternehmen wie Krone, Barum und Sarrasani gastierten in dem riesigen Oval. 1927 fand der Deutsche Katholikentag statt. Messen wie die Ernährungsmesse Anuga oder die Gastwirtsmesse fanden hier ebenfalls Platz. Aber auch die Nationalsozialisten entdeckten die Halle mit einem Fassungsvermögen von bis zu 15.000 Zuschauern für sich. Zahlreiche Propagandaveranstaltungen mit Rednern von Goebbels bis Hitler fanden statt.

In Schutt und Asche

Und die NS-Machthaber besiegelten auch das Ende des stolzen Holzbaus: Mit Kriegsbeginn 1939 wurde die Halle zum riesigen Kriegsgefangenenlager, das später auf das Außengelände verlegt wurde. Ab 1943 fanden wieder Veranstaltungen in der Halle statt - bis der Bombenkrieg den Holzbau im Mai 1944 in Schutt und Asche legte. 1952 wurde dann die neue Westfalenhalle eröffnen, die wieder als technisches Wunderwerk - diesmal aus Stahl und Beton - gerühmt wurde. Doch das ist eine andere Geschichte …

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Oliver Volmerich