Handwerk plakatiert Toleranz

Anja Schröder
Foto: Handwerkskammer

Dortmund. Mittwoch und Donnerstat flattert den 4026 Handwerksbetrieben, die zum Bezirk der Handwerkskammer Dortmund gehören, Post ins Haus, kündigt Anke Degeler an. Darin werden sie aufgefordert, sich bei einer stadtweiten Aktion für Vielfalt und Toleranz stark zu machen.

Dass manche Menschen ein Brett vorm Kopf haben? Daran können auch die Dortmunder Tischler nichts ändern. Sie allerdings zeigen zusammen mit ihren Handwerks-Kollegen am 3. September Flagge mit einer stadtweiten Plakataktion: „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hin will!“

Viele Handwerker mit ausländischem Pass

Auch den Handwerkern nämlich verhagelt der Aufmarsch der Neonazis am 3. September in Dortmund das Wochenende. Hier hatten sie beim ersten bundesweiten „Tag des Handwerks“ zeigen wollen, was sie können unter dem Motto: „Deutschland ist handgemacht“. Während Düsseldorf bei einer Body-Painting-Aktion das größte lebende Plakat schafft, Duisburg einen Markt zum Mitmachen organisiert, steckt Dortmund zurück. „Wir wollten einen Ausschnitt des Handwerks zeigen“, sagt Pressesprecherin Degeler. Allerdings sei ihnen von einer Aktion in der Innenstadt abgeraten worden. Das hat nichts mit Einschüchterung tun. „An so einem Tag werden ja die meisten, gerade auch Familien, einen Bogen um die Stadt machen“, vermutet Degeler.

Aber: Sie heben trotzdem ihre Hände, die Dortmunder Handwerksbetriebe. Für Vielfalt, gegen Einfalt. Das Plakat aus der Imagekampagne passt da perfekt. Aber auch solche Zahlen untermauern, dass dem Handwerk Vorurteile und Fremdenhass eben fremd sind: „In Dortmund werden überdurchschnittlich viele Unternehmen von Handwerkern mit ausländischem Pass geführt: Der Anteil ausländischer Betriebsinhaber liegt kammerbezirksweit bei 13 Prozent, in Dortmund bei 20 Prozent.

Integrationsleistung

Dazu kommen natürlich noch zahlreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund, aber deutschem Pass“, sagt Degeler. Und: „33 Prozent aller Azubis mit ausländischem Pass werden in Deutschland in Handwerksbetrieben ausgebildet. Sie stehen stellvertretend für die Integrationsleistung der „Wirtschaftsmacht von nebenan“. Im Bezirk der Handwerkskammer Dortmund steigt der Anteil an ausländischen Auszubildenden seit vier Jahren übrigens kontinuierlich an: Von den aktuell 12 880 Lehrlingen haben fast acht Prozent einen ausländischen Pass. Der Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund dürfte noch mal mindestens ebenso hoch sein.