Haftstrafen nach tödlichem Überfall auf Juwelier

Foto: WR Dortmund

Zu acht Jahren Haft und vier Jahren Jugendstrafe verurteilte das Landgericht die beiden Männer, die am 3. Dezember 2008 das Juweliergeschäft "Italy Gold" an der Bornstraße überfallen hatten. Drei Tage nach dem Überfall starb der Inhaber Francesco L. an den Folgen der Tat.

Während die Staatsanwaltschaft ursprünglich Raub mit Todesfolge angeklagt hatte, wurden die beiden 34 und 22 Jahre alten Angeklagten jetzt wegen schweren Raubes und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Das Problem: An jenem Tag überfielen insgesamt vier Räuber den Laden an der Bornstraße - doch wer von ihnen nun dem Juwelier Francesco L. hinten in der Werkstatt die letztlich tödlichen Schläge mit einem Ringeisen zugefügt hatte, ließ sich in der Verhandlung nicht klären. Auch sein Bruder, der bei dem Überfall verletzt wurde, sprach von einem "Kampf", von "Füßen, die mich trafen".

Der dritte Räuber des Quartetts, das nach und nach in Rumänien gefasst wurde, ist bereits angeklagt und wartet auf seinen Prozess, dem vierten Mann ist man auf der Spur.

Räuber hatten sich als Kunden getarnt

Bereits Tage vor der Tat hatte das Quartett, das eigens aus Rumänien angereist kam, um hier in Deutschland Straftaten zu begehen, so der Vorsitzende Richter Ulf Pennig, das Geschäft in der Nordstadt ausgekundschaftet. Zum Schein hatte man sich für ein Collier interessiert. Dann, am 3. Dezember, kamen sie als "gute, bekannte Kunden" in den Laden. "Unbewaffnet, denn man hatte auf seine körperliche Präsenz vertraut und dachte, die Inhaber würden ohne Gegenwehr den Schmuck herausgeben", so der Vorsitzende Richter Ulf Pennig. Doch Francesco L. und sein Bruder wehrten sich nach Leibeskräften - binnen wenigen Sekunden entstand ein erbitterter Kampf Vier gegen Zwei.

Wer mit dem Ringeisen zuschlug, ist nicht zu klären

Wer nun für den später eingetretenen Tod des damals 51-Jährigen verantwortlich war, sei bei diesem turbulenten Tatgeschehen nicht zweifelsfrei zu klären, so das Gericht. "Die moralische Schuld von allen vier ist immens hoch. Aber eine moralische Schuld kann im Strafrecht keinem einzelnen angelastet werden." Der zur Tatzeit 20-jährige Angeklagte ist, im Gegensatz zu seinem Komplizen, bisher noch nie aufgefallen. Ein junger Mann, der als Jugendlicher unter epileptischen Anfällen litt und "von seiner Familien in Rumänien herumgeschubst wurde", so der Vorsitzende Richter. Bereits in seiner Heimat wurde er von dem 34-jährigen Chef der Bande als Fahrer beschäftigt. In den vier Jahren, die er jetzt absitzt, steht im Jugendstrafrecht daher vor allem der Erziehungsgedanke im Vordergrund. "Er zeigte Unrechtsbewusstsein und ist von den Folgen der Tat beeindruckt", sagte der Kammervorsitzende.

Witwe kann das Urteil nicht verstehen

Die Witwe Claudia L. ist von dem Urteil "absolut enttäuscht". Sie kann die Argumentation des Gerichtes nicht verstehen. "Für mich ist mein Mann ermordet worden. Und jetzt bleibt das unbestraft, weil die zu Viert waren. Ich habe den Glauben an die Justiz verloren."

 
 

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