Gutachten für Dortmunder B1-Tunnel ist lange überfällig

In einer leerstehenden Schrebergartenanlage in Dortmund erobert sich die Natur das Terrain zurück. Die Gärten sollten dem B1-Tunnel weichen.
In einer leerstehenden Schrebergartenanlage in Dortmund erobert sich die Natur das Terrain zurück. Die Gärten sollten dem B1-Tunnel weichen.
Foto: Stefan Reinke
Was für Berlin der Flughafen, ist für Dortmund der B1-Tunnel. Seit einem Jahr ist ein Gutachten überfällig, ohne das die Neuplanung des Tunnels nicht starten kann. Seit das Vorhaben 2009 ein jähes Ende fand, ist nichts mehr passiert. Sinnbildlich dafür steht eine Kleingartenanlage in Hörde.

Dortmund. Die Zeit scheint in Sachen B1-Tunnel still zu stehen. 2009 fanden die Planungen zu Dortmunds größtem Verkehrsprojekt ein jähes Ende — wegen eines Formfehlers. Der Bau wurde aufgeschoben. Nach Informationen unserer Redaktion liegt ein aktuelles Verkehrsgutachten mit Belastungs- und Prognosedaten im Umfeld der B1 immer noch nicht vor. Angekündigt war es für das Jahr 2013. Das Gutachten ist Voraussetzung für den Start eines neuen Planfeststellungsverfahrens zum Tunnelbau durch den Landesbetrieb Straßen.NRW.

Zur Erinnerung: Nach einer erfolgreichen Klage gegen den früheren Planfeststellungsbeschluss 2009 muss das Planverfahren völlig neu aufgerollt werden. Und das braucht Zeit: Für das Planfeststellungsverfahren kalkulieren Experten mit mindestens drei Jahren Bearbeitungszeit. Ein neuer Planfeststellungsbeschluss wird nicht vor 2020 erwartet.

Land NRW schlägt B1-Tunnel als wichtiges Projekt vor

Der SPD-Bundestagabgeordnete Marco Bülow freute sich am Freitag darüber, dass das Land NRW den B1-Tunnel als "Projekt mit vordringlichem Bedarf" für den Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagen habe. Doch diese Freude ist etwas verfrüht. Das Projekt sei zwar angemeldet, ob es aber wirklich für den vordringlichen Bedarf angemeldet werde, entscheide das Land erst nach der Vorprüfung durch den Bund im kommenden Frühjahr mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Mittel, erklärte ein Sprecher des NRW-Verkehrsministeriums auf Anfrage.

Marco Bülow will sich auf jeden Fall für eine schnelle Planung des B 1-Tunnels einsetzen. Eine zeitliche Prognose wollte er allerdings nicht abgeben. Das sei angesichts der innerstädtische Lage des Tunnelprojekts schwierig.

Enteignete Kleingärten stehen sinnbildlich für gescheiterte Tunnel-Pläne

Dort, wo inzwischen Autos in Dortmunds unterirdische Verkehrsschlagader rollen sollten, bahnt sich die Natur ihren Weg: Die Kleingartenanlage Kipsburg in Hörde liegt in einem tiefen Dornröschenschlaf. Zumindest ein Teil der Anlage, nämlich der an der Semerteichstraße. Hier sollte eine Tunnelein- und Ausfahrt entstehen. Die Gärtner mussten ihre Refugien verlassen, wurden entschädigt. Seitdem passierte: nichts.

Freud und Leid im Gartenverein Das Gelände ist eingezäunt. Die anliegenden Kleingärtner hatten bereits vor Jahren den Vorschlag gemacht, das Grundstück in Grabeland umzuwidmen, denn Bedarf an Kleingärten besteht in einer Stadt wie Dortmund immer. Doch der Zug einer Nutzung scheint abgefahren. Das Gelände dämmert vor sich hin, die Lauben verfallen zusehends, während sich die Natur das Terrain zurückerobert. Die Stadt Dortmund sieht die Zuständigkeit bei Straßen.NRW. Um das Gelände für eine — wie auch immer geartete — Nutzung herzurichten, wären rund 200.000 Euro vonnöten, so ein Stadtsprecher. Zu teuer für die Stadt.

Doch vielleicht wird das Gelände ja wachgeküsst, wenn die Tunnel-Planungen wieder aufleben. Für die Gartenanlage wäre das dann das endgültige Ende.

 
 

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