Gründervater des BVB soll filmisches Denkmal bekommen

Stefan Reinke
Das erste Mannschaftsfoto: 1911. Die Farben damals: blau-weiß gestreift mit roter Schärpe.
Das erste Mannschaftsfoto: 1911. Die Farben damals: blau-weiß gestreift mit roter Schärpe.
Die Gründungsgeschichte des BVB ist in Dortmund Allgemeinwissen: Wildschütz, katholische Jugendgruppe, Borussia-Bier. Aber wer waren die jungen Männer, die den Verein gegründet haben, wirklich? Drei Journalisten wollen nun Franz Jacobi, dem wichtigsten der BVB-Ahnen, ein filmisches Denkmal setzen.

Dortmund. Bruchstückhaft kann beinahe jeder Fan von Borussia Dortmund die Geschichte rund um die Gründung seines Lieblingsvereins herunterbeten. Der Borsigplatz, die Kneipe "Zum Wildschütz", der Ärger der BVB-Gründerväter mit ihrem Kaplan, der ihnen das Kicken verbieten wollte - in Bruchstücken ist das jedem Fan schon begegnet. Doch wer die 18 Männer waren, die am 19. Dezember 1909 in einem Nebenraum des Wirtshauses "Zum Wildschütz" den Ballspielverein Borussia gegründet haben, weiß so gut wie niemand.

Dieser menschlichen Seite der BVB-Gründung wollen die drei Journalisten Jan-Henrik Gruszecki, Marc Quambusch und Gregor Schnittker nun auf den Grund gehen. In einem Film-Projekt soll vor allem die Person Franz Jacobi gewürdigt werden. Jacobi spielte in der frühen Geschichte des BVB eine entscheidende Rolle. "Das wird oft verkannt", sagt Gruszecki, der gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern Jacobi "ein filmisches Denkmal setzen".

Finanzierung per Crowd Funding

Wie genau das aussehen soll, ist noch unklar. Denn die Finanzierung des Films ist noch längst nicht gesichert. Die drei Macher setzen auf Crowd Funding - jeder Fan kann einen beliebigen Geldbetrag überweisen und das Projekt unterstützen. Das garantiert den Machern finanzielle und vor allem inhaltliche Unabhängigkeit. Sobald 120.000 Euro zusammen sind, muss der Film gemacht werden - "Das ist vertraglich so festgeschrieben", erklärt Gruszecki. Kommt das Geld bis zum 5. September 2013, 23.59 Uhr, nicht zusammen, werden die eingezahlten Beträge zurückgezahlt. 11.000 Euro wurden allein am ersten Tag gesammelt. Über den aktuellen Stand des Projekts informieren die drei Journalisten auf ihrer Internet-Präsenz.

Der Anspruch der Macher an ihr Werk ist schon jetzt hoch. "Das soll ein Film werden, der auch im History Channel oder im ZDF laufen kann", so BVB-Fan Gruszecki selbstbewusst, der mit Quambusch und Schnittker zwei erfahrene Fernsehleute an seiner Seite hat. Ob der Film am Ende eine reine Dokumentation, ein Spielfilm oder ein Infotainment-Format wird, hängt vom Startkapital ab. "Wenn wir das Fundingziel von 250.000€ erreichen, dann werden wir auch einige historische Szenen in sogenannten Re-Enactments nachstellen sowie durch Graphikanimationen nicht mehr existente Orte zum Leben erwecken können", heißt es auf der Website.

"Es ging anders zu als in den Büchern steht"

Die drei hoffen auf die rege Mitarbeit der großen BVB-Fangemeinde. Jeder, der alte Fotos besitzt oder sich an Geschichten erinnert, die Oma oder Opa vom Borsigplatz erzählt haben, ist eingeladen, sich zu beteiligen. "Wir machen den Film 34 Jahre zu spät", sieht Gruszecki ein. Doch die Generation der Kinder der BVB-Väter leben noch. Deren Erinnerungen sollen in den Film einfließen, um ein möglichst authentisches Bild der Zeit rund um die Gründung des Vereins zeichnen zu können.

Für den Fall, dass das Projekt realisiert wird, kann Gruszecki schon jetzt versprechen, dass es "bei der Gründung des BVB anders zugegangen ist als in den Büchern steht". Doch er beruhigt: Die Gründungsgeschichte muss nicht komplett neugeschrieben werden." Dennoch gebe es "Details zum Schmunzeln".