Grippe und Magen-Darm-Erkrankungen auf dem Vormarsch

Was wir bereits wissen
Dortmund hustet, fiebert, kopfschmerzt. Und sitzt auf der Toilette. Grippale Infekte, Magen- und Darm halten viele Menschen hier im Bett. Die aktuellen Zahlen liefern nur die Spitze des Eisbergs.

Dortmund.. Nach den wöchentlichen Infektionslisten des Landes grassiert vor allem der Magen-Darmerreger Norovirus. Aber: Nur die wenigsten Fälle dieser meldepflichtigen Krankheiten werden durch Ärzte nachgewiesen und gemeldet. Bei der echten Grippe, der Influenza, soll es nur jeder zehnte Fall sein.

Dr. Frank Renken, Chef des Gesundheitsamtes, rechnet 2016 mit mindestes 2000 echten Influenza-Fällen seit Januar bis jetzt in Dortmund. Der jüngste Infektionsbericht des Landes führt gerade einmal 113 Fälle auf. Ein Jahr zuvor sollen es im Vergleichszeitraum 52 gewesen sein. "Erreger-Diagnostik hat keine gute Tradition in Deutschland", sagt Dr. Renken. 90 Prozent der tatsächlichen Infektionsfälle tauchen deshalb nur als Dunkelziffer auf.

Im Sinne eines besseren Schutzes und Aufklärung der Allgemeinheit sei es wichtig, meldepflichtige Krankheiten nachzuweisen und tatsächlich zu melden, so der Amtsarzt.

Die Lungenfachärzte aus dem Klinikum Dortmund und dem Knappschaftskrankenhaus Brackel melden eine starke Zunahme an grippalen Infekten, aber bisher kaum nachgewiesene Influenza-Erreger. Das triff auch auf die Ambulanz der Kinderklinik zu. Verglichen mit früheren Jahren tauchen dort neben Erkältungen gehäuft Fälle von Durchfall auf. In Dortmund wurden bereits erste Kindergarten-Gruppen geschlossen. Wie viele, konnte Dr. Renken nicht sagen: "Wir als Amt haben noch keine Einrichtung in diesem Jahr geschlossen. Die Einrichtungen können dies aber von sich aus tun."

Auffällig auf dem Vormarsch sind in Dortmund auch andere Erreger:

  • Keuchhusten: 37 Fälle wurden bisher gemeldet, 32 mehr als 2015 bis zu dieser Zeit. Gegen den Erreger der langwierigen Erkrankung schützt eine Impfung. Was aber die meisten nicht wissen: Diese Impfung muss, genauso wie die Tetanus-Impfung gegen den Erreger des Wundstarrkrampfes, alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Auch im Erwachsenenalter also. Dr. Renken spricht beim Keuchhusten von der "häufigsten Ursache für anhaltenden Husten im Erwachsenenalter". Die hartnäckige Krankheit sei sehr schlecht behandelbar. Der Chef des Gesundheitsamtes sagt: "Der Husten bleibt mindestens vier Wochen."
  • Windpocken: 116 Fälle in diesem Jahr, keinen im Vorjahr. Nachgewiesen wurde die Infektionskrankheit bei Eingangsuntersuchungen in Flüchtlingseinrichtungen.
  • Tuberkulose: Gleiches Bild. 95 Fälle bisher in diesem Jahr, 66 im vorigen. Auch hierbei geschah der Nachweis in Flüchtlingsunterkünften.

 
 

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